Sa, 20. Januar 2007
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Horst Heinrichs setzt sich für Fanprojekt ein
„Der harte Kern besteht aus 15 bis 20 Leuten“, sagte Achim Foki. „15 bis 20 Leute sind ja nicht überproportional viel. Eher im Gegenteil“, meinte Horst Heinrichs dazu. Und: „Wenn es nur diese 15 bis 20 Leute wären, würden wir hier ja gar nicht sitzen“, stellte Foki fest. „Es sind aber nicht nur diese 15 bis 20 Leute, sondern es ist ein Problem der gesamten deutschen Gesellschaft“, fasste schließlich Robert Jacobs zusammen.
Ergo saßen sie da: am Runden Tisch, zu dem die „Nachrichten“ Alemannia-Präsident Horst Heinrichs, den Fanbeauftragten des Vereins, Robert Jacobs, sowie den Sprecher der Fan-IG, Achim Foki, eingeladen hatten, um über das Thema Rechtsextremismus am Tivoli zu reden.
Ein Problem, das jeder Fußballverein in Deutschland habe, wie Jacobs einleitend feststellte. Dabei sei die rechte Szene am Tivoli längst nicht mehr so aktiv wie noch bis Anfang der 90er Jahre: „Flugblattaktionen solcher Gruppen habe ich jedenfalls schon lange nicht mehr am Tivoli gesehen.“ Doch seit etwa zwei Jahren seien ihm vereinzelt wieder Leute im Umfeld der Spiele der Alemannia aufgefallen, die durch Kleidung - etwa T-Shirts der rechtsradikalen Kameradschaft Aachener Land - oder Musik eindeutig dem rechten Spektrum zuzuordnen seien. Achim Foki indes unterschied zwischen 15- bis 18-jährigen Jungs, die für rechte Parolen anfällig seien und jenen, die zum harten rechten Kern gehören. Um erstere müsse man sich kümmern, so der Sprecher der Interessengemeinschaft der Alemannia-Fans und Fanclubs (Fan-IG), bei letzteren habe das keinen Sinn.
Präsident Horst Heinrichs wies darauf hin, dass die Alemannia selbst gegen bekannte Neonazis, wie den Geschäftsführer des NPD-Landesverbandes Rheinland-Pfalz, Sascha Wagner, der häufig im Umfeld der Alemannia zu sehen ist, nichts tun könne, wenn sie sich im Stadion nichts zu Schulden kommen lassen. Sein Augenmerk gelte vielmehr den gefährdeten Jugendlichen. „Wir dürfen die Jungen da nicht reinrutschen lassen“, sagte er. Denn wenn sie einmal in der rechten Szene drin seien, könne auch der Verein sie da nicht mehr herausholen.
Offene Türen
Bislang habe sich die Fan-IG und auch Robert Jacobs um diese Probleme gekümmert, „aber nun muss mehr kommen“, so Heinrichs und kündigte an, beim Aufsichtsrat Werbung für ein Fanprojekt zu machen, das professionelle Fanarbeit leisten könne. Das koste natürlich Geld, welches in der Bundesliga mehr vorhanden sei als bei einem Abstieg. Aber: „Ich sage nicht, dass es in der Zweiten Liga kein Fanprojekt gibt. Ich sage nur, dass es in der Ersten Liga einfacher ist.“
Bei Robert Jacobs und Achim Foki rennt der Präsident damit offene Türen ein, denn Foki sieht Fußballvereine wegen ihrer gesellschaftlichen Bedeutung in der Pflicht, sich professionell um diese Probleme zu kümmern. „Bei kleinen Vereinen wie der Alemannia muss allerdings auch der Deutsche Fußball-Bund finanziell einspringen“, forderte er. Robert Jacobs arbeitet zudem gemeinsam mit dem Verein bereits an einer Änderung der Stadionordnung, die künftig Kleidung bestimmter Marken mit rechtsradikaler Symbolik auf dem Tivoli verbieten soll.
Dass solche Aktionen - wenn auch nicht bei den überzeugten Rechten, so doch bei den gefährdeten Jugendlichen - wirken können, habe die Alemannia-Kampagne „Rassismus hat bei uns keinen Platz“ gezeigt, meinten Heinrichs, Jacobs und Foki übereinstimmend. Das Schimpfwort „Asylanten“ haben alle drei seit dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach, welches diese Aktion seinerzeit ausgelöst hatte, auf dem Tivoli jedenfalls nicht mehr gehört.
von Holger Richter auf www.an-online.de
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