Alemannia Aachen2 (25) (15) (25) (17) (15)
Schweriner SC3 (20) (25) (21) (25) (17)Mit dem guten Gefühl von zuletzt zwei Siegen gehen die „Ladies in Black“ in die dritte von insgesamt sieben Partien in diesem Dezember 2011. Selbstvertrauen können Aachens Bundesliga-Volleyballerinnen am Freitag auch gut gebrauchen, geht es schließlich gegen den amtierenden deutschen Meister: Um 20 Uhr stellt sich der Schweriner SC im Hexenkessel an der Neuköllner Straße vor.
Äußerst kurz ist die Vorbereitungszeit auf einen Gegner, der „mit großer individueller Klasse aufwartet“, wie Aachens Coach Stefan Falter betont. „Wir haben nur einen Tag, um gegnerspezifisch zu trainieren, das bringt dieser enge Spielplan nun mal so mit sich“, beschreibt der Chef die Situation unter der Woche. Am Mittwochabend noch standen die „Ladies“ beim insgesamt überzeugenden 3:0 gegen Sinsheim auf dem Feld, am Donnerstag steht eine intensive, aber nicht allzu kraftraubende Trainingseinheit an.
„Wir werden außerdem noch etwas ballorientiert arbeiten und ein Videostudium einlegen“, berichtet Stefan Falter. Die Grundlagen seien ohnehin gelegt, „die meiste Arbeit haben wir schon vor der Saison geleistet, die individuelle Vorbereitung auf den nächsten Gegner ist ohnehin immer recht kurz. Da werden wir auch mit dieser besonders knappen Zeit klarkommen“, ist der Trainer sicher.
Alemannias Coach hat wie immer ein klares Konzept für die Partie vor Augen, und lässt sich sogar ein wenig in die Karten schauen: „Für uns geht es darum: Wie reagieren wir auf Schwerins unbestreitbare Stärke? Abwarten und Zuschauen ist nicht. Meine Antwort: Wir suchen uns unsere eigene Strategie, um dem Gegner Paroli bieten zu können. Wir werden versuchen, ihre starke Diagonalangreiferin möglichst gut in Schach zu halten“.
Dafür ist wie zuletzt eine exzellente Blockarbeit gefragt. Anke Borowikow wurde gerade gegen Sinsheim zur wertvollsten Spielerin gekürt. Keine schlechten Voraussetzungen also, um dem Meister das Leben schwer zu machen. Und was kommt am Ende heraus? Stefan Falter gibt sich diplomatisch: „Wie immer: Wir werden das Optimale herausholen“.
Das Ende war eine süße Überraschung – für Anne Buijs. Und eine bittere Pille für Alemannia Aachen. Nach einem phasenweise höchstklassigen und immer hochdramatischen Match verloren die Alemanninen gegen den Deutschen Meister Schweriner SC im Tie-Break mit 15:17, hatten in diesem fünften Durchgang fünf Punkte Rückstand wettgemacht und gaben sich erst beim dritten Matchball dem Schmetterball von Mira Topic geschlagen.
Was für ein Krimi, Alfred Hitchcock hätte – auch wenn das abgedroschen klingen mag - nicht spannender Regie führen können. Was blieb waren Alemanninen – erhobenen Hauptes und doch am Boden – und eine lächelnde Schweriner Außenangreiferin Anne Buijs, die zur besten Spielerin ihres Team gewählt wurde und von ihrer Familie mit einer Tüte Süßigkeiten belohnt wurde. Buijs, Tochter von Gästetrainer Teun Buijs, ist kaum mehr als eine lange Angabe von Aachen entfernt in Geleen geboren, die Familie war dementsprechend in der Halle. „Da ist man noch einmal besonders motivie
rt und ich bin sehr stolz vor meiner Familie so gespielt zu haben“, sagte Buijs. Und die Gummibärchentüte war der Schlusspunkt des Abends.
Begonnen hatte er mit dem sprichwörtlichen Paukenschlag. Das britische Duo hatte in Person von Ci Michel – buchstäblich – zugeschlagen. „Ich hatte sofort das Gefühl, dass wir das Spiel gewinnen können“, meinte Mittelblockerin Michel. Es war der erste einer Reihe von Aktionen im ersten Tempo, die Michel erfolgreich abschließen sollte. „Easy Kills“ nennt sie diese. Und Schwerin fand kaum ein Mittel gegen die 1,96-Meter-Britin. Das Zuspiel kam von Lucy Wicks, die im ersten Satz ebenso geschickt wie zuverlässig ihre Mittelblockerinnen Michel und Borowikow ebenso wie Außen Angelina Grün und Diagonalspielerin Barbara Dégi in Szene setzte – und wie. Den ersten und dritten Satz konnten die Aachenerinnen mit druckvollem Spiel für sich entscheiden. Der Vorjahrescoup, als die Aachenerinnen die Favoritinnen überraschte, konnte nicht wiederholt werden. „Es war ein Spiel, dass wir uns so ausgerechnet hatten. So können wir hier immer für Begeisterung sorgen“, meinte Alemannia-Trainer St
efan Falter. Und die 905 Fans in der Halle sorgten für eine Stimmung, die selbst für Aachener Verhältnisse ohrenbetäubend war. „Das hat richtig Spaß gemacht“, kommentierte dies die Schweriner Mittelblockerin Berit Kauffeldt.
Kauffeldt war eine der vielen Waffen, auf die Teun Buijs in den entscheidenden Phasen des Spieles vertrauen konnte. Am Dienstagabend stand der Deutsche Meister noch in Italien auf dem Feld. In der Champions League musste allerdings nach der Heimpleite gegen Istanbul auch gegen die italienische Mannschaft Villa Cortese eine 3:1-Niederlage verkraftet werden. „Das ist ein richtig hartes Programm, am Anfang waren die Beine auch noch schwer aber wir haben in jeder Phase gekämpft - Aachen aber auch“, sagte Kauffeldt. Es war aber bei weitem kein reines Kampfspiel. Auch spielerisch wurde den Fans auf beiden Seiten viel, viel geboten. Auf Schweriner Seite waren es beispielsweise die brandgefährlichen Anspiele von Denise Hanke, insbesondere im vierten Durchgang und die Künste von Libera Lisa Thomsen. Die Nationalspielerin war irgendwie überall und so spielte es auch keine große Rolle, dass Patricia Thormann, immerhin die beste Spielerin (MVP) der letzten Saison nur im zweiten Satz die
Spielkontrolle übernahm. Auf Aachener Seite beeindruckten immer wieder Anke Borowikows Einbeiner, meist überkopf in Szene gesetzt von Lucy Wicks. Oder die frechen Ticks der eingewechselten Karen Lißon im Tie-Break. Oder Angelina Grüns Durchbrüche. Oder Laura Feldmanns Aufschläge…
„Wir waren so auf den Sieg fokussiert, es ist eine Schande, dass am Ende zwei Punkte gefehlt haben“, sagte Ci Michel anschließend, traurig über einen leichten Fehler in der entscheidenden Phase. „Da vergisst man all die guten Punkte.“ Sollte sie nicht, vom Gegner gab es zwar keine Süßigkeiten mehr, aber jede Menge Hochachtung mit auf den Weg in die Kabinen. „Wir hoffen, dass es alle anderen Gegner hier auch so schwer haben werden. Aachen ist immer wieder zurückgekommen“, meinte Berit Kauffeldt.
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Zum Spiel
„Es war ein Spiel, wie wir es uns ausgerechnet haben. Wir waren immer ein klein bisschen aggressiver als der Gegner. So ist die Mannschaft in der Lage für Begeisterung zu sorgen und auf der Welle der Begeisterung, die in so einem Spiel ausbricht, surfen wir dann auch.“
Zum Spiel
„Die erste Liga ist so unglaublich stark dieses Jahr. Wir waren aber sehr konzentriert, egal was der Gegner heute versucht hat und das hat uns letztlich geholfen. Ich kann aber noch nicht realisieren, wie knapp das heute war.“
Zum Spiel
„Letztlich sind es nur zwei Punkte Unterschied, am Ende waren wir eben ein kleines Bisschen besser. Wir hatten vorher ein paar gute Phasen, aber eigentlich war das Spiel ein einziges Auf und Ab. Am Ende zum Glück ein Auf.“
Sonstiges
„Wir haben unglaublich gekämpft und sind im Tie-Break noch einmal zurückgekommen. Das macht mich unglaublich stolz. Wir haben heute alle füreinander gespielt, wenn eine nicht an den Ball kam, ist die andere getaucht und hat ihn geholt. Das war super und so zu spielen macht viel mehr Spaß, als wenn es nur um easy Kills geht.“