Di, 6. September 2011

„Ich habe den Hunger noch in mir“

David Odonkor offiziell vorgestellt. Freude über die Rückkehr nach Deutschland.

Er zieht noch, der Name David Odonkor. So groß wie bei kaum einer Verpflichtung zuvor ist das Interesse an dem Mann, der am Morgen einen Vertrag bei den Schwarz-Gelben unterschrieben hatte. Bei all der Nachfrage ist der 27-Jährige selbst sehr zurückhaltend, beschreibt sich als ruhigen Typen – „außer auf dem Platz“.

Genau da will der Mann für die rechte Außenbahn wieder durchstarten, nach einer schwierigen Zeit in Spanien bei Betis Sevilla. „Ich habe schon seit zwei Jahren gesagt, dass ich gerne wieder nach Deutschland zurückkehren würde. Wenn man schlechte Erfahrungen gemacht hat, dann will man wieder zurück in die Heimat“, sagt der 27-Jährige, der „nicht schon wieder irgendwo neu anfangen wollte“.

Die Alemannia sei für ihn absolut kein Rückschritt, betont der gebürtige Westfale. Im Gegenteil: „Ich habe es mir so gewünscht.“ Der Schritt an den Tivoli sei für ihn ein Glücksfall. Trotz der Probleme in Spanien und die gesundheitlichen Rückschläge habe er nie den Optimismus verloren. „Ich habe immer daran geglaubt, dass ich wieder auf den Fußballplatz zurückkehre. Ich bin ein Kämpfer. Das Wichtigste ist, dass ich Fußball spielen will. Diesen Hunger habe ich noch in mir“, sagt Odonkor.

Aus den letzten fünf Jahren habe er viel gelernt. Besonders ein Gesetz der Branche musste der ehemalige Dortmunder am eigenen Leib erfahren. „Wenn du Erfolg hast, hast du sehr viele Freunde“, weiß er. Im Umkehrschluss weiß Odonkor heute, auf wen er sich wirklich verlassen kann. Aufmerksamkeit durch die Medien? „Als junger Spieler war das vielleicht wichtig. Heute weiß ich, dass der Sport nicht alles ist.“

Seine neue Mannschaft beschreibt Odonkor als „positive Truppe, die Stimmung ist gut“. Natürlich sei der Saisonstart in die Hose gegangen. Aber: „Wenn wir am Freitag drei Punkte holen, dann sieht die Situation schon wieder anders aus.“ Für die Partie beim SC Paderborn ganz in der Nähe seiner westfälischen Heimat stellt der neue Alemanne keine großen Ansprüche. „Ich bin froh, wenn ich dabei bin. In den Bus einsteigen, mit der Mannschaft im Hotel sein – das habe ich lange nicht gehabt.“ Lieber 20 Minuten der Mannschaft helfen, als 70 Minuten rumgurken – nach diesem Motto verfährt Odonkor momentan. Die letzten Prozente in Sachen Fitness fehlen noch. Ob er die 100 Meter wie zu Dortmunder Zeiten immer noch in 10,7 Sekunden läuft, weiß „Odo“ gar nicht.

Dass er immer noch sehr, sehr schnell ist, davon können sich die Kiebitze jetzt bis zum nächsten Sommer überzeugen – mindestens. „Ich bin nicht der Typ, der sagt: Jetzt spiele ich eine gute Saison und dann bin ich wieder weg. Alles ist möglich“, sagt Odonkor selbst. In jedem Fall wird er so schnell wie möglich mit Frau und kleiner Tochter nach Aachen ziehen. „Anfang nächster Woche suchen wir uns eine Wohnung, und dann machen wir die Stadt unsicher“, scherzt er.