Rot-Weiss Essen im Gegnercheck
Rot-Weiss Essen stemmt sich in dieser Saison bislang erfolgreich gegen Widerstände. Eine Verletztenmisere sorgt aktuell dafür, dass einer der kleinsten Kader der Liga noch enger zusammenrückt – auch die verlorene Relegation der Vorsaison hat den Kader weiter zusammengeschweißt. Nun gehört RWE erneut zum Spitzentrio der 3. Liga. Die Alemannia-Redaktion hat den kommenden Gegner der Kaiserstädter vor dem anstehenden Westschlager genauer unter die Lupe genommen.
Der letzte Spieltag war für Rot-Weiss Essen gleich in dreifacher Hinsicht ein besonderer. Zunächst kehrte RWE an den Ort eines Systemausfalls zurück. Gegen Ende der vergangenen Rückrunde war die Mannschaft bei der 1:6-Niederlage gegen die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart unter die Räder gekommen. Die deutliche Niederlage beendete damals die direkten Aufstiegshoffnungen der Essener, die schließlich über die Relegation den Aufstieg in die 2. Bundesliga verpassten. Nun setzte sich Rot-Weiss mit 1:0 bei der SG Sonnenhof Großaspach durch, die im selben Stadion spielt wie die Stuttgarter Zweitvertretung. Dank dieses Sieges haben die Essener mittlerweile 24 Punkte auf dem Konto und damit ein erstes selbst gestecktes Etappenziel übertroffen. Vor der Saison hatte RWE-Cheftrainer Uwe Koschinat seiner Mannschaft nämlich Orientierungsziele gesetzt. Das erste davon waren 20 Punkte nach dem 12. Spieltag – vier Punkte weniger als der Tabellendritte nun auf der Habenseite hat.
Die dritte Besonderheit war ein persönlicher Meilenstein für Koschinat. Die Partie gegen Großaspach war sein 287. Spiel als Trainer in der 3. Liga. Damit zog er mit Stefan Krämer gleich und hat in der Rangliste nur noch Joe Enochs (292 Partien) sowie Rekordtrainer Pavel Dotchev (390 Spiele) vor sich. Passenderweise hatte Koschinat auch sein erstes Drittligaspiel in Großaspach absolviert, damals noch als Trainer von Fortuna Köln. Im Januar sollen nun Gespräche zwischen dem Trainer und den Essener Verantwortlichen über eine mögliche Vertragsverlängerung stattfinden.
Alemannia trifft auf die beste Defensive der 3. Liga
Ein großer Pluspunkt, der für Koschinat sprechen dürfte, ist die starke Defensivarbeit seiner Mannschaft. Mit gerade einmal 13 Gegentoren stellt RWE die beste Abwehr der Liga. Lediglich im ersten Saisonspiel beim 1. FC Saarbrücken mussten die Essener eine deutliche 2:5-Niederlage hinnehmen. In den weiteren elf Ligaspielen blieb RWE aber sechs Mal ohne Gegentor. Die Essener Defensive ist aber nicht unverwundbar: Auffällig ist, dass neun der 13 Gegentore nämlich in der zweiten Halbzeit fielen.
Insgesamt hegt RWE ambitionierte Ziele, die durch die starke Abwehrarbeit untermauert werden. Der Verein möchte nach 2007 wieder die Rückkehr in die 2. Bundeliga schaffen. Mit dem aktuellen dritten Tabellenplatz und vier Punkten mehr als erhofft, befindet sich die Mannschaft für dieses Ziel auf einem guten Weg.
Die Festung an der Hafenstraße
Hinzu kommt die gute Bilanz der Essener im eigenen Stadion. Nach sechs Spielen im Stadion an der Hafenstraße kommt RWE auf fünf Siege sowie ein Unentschieden. Damit ist Rot-Weiss mit 16 Punkten die beste Heimmannschaft der 3. Liga. Einzig Hansa Rostock war kurz davor, einen Sieg in Essen einzufahren. Doch ein später Treffer von Semir Telalovic sicherte RWE noch einen Punkt.
Eben jener Telalovic wird im Spiel gegen die Alemannia allerdings nicht mitwirken können. Der Stürmer fällt aufgrund einer Schulterverletzung aus. Er ist nicht der einzige Ausfall im ohnehin sehr kompakten Kader. Auch Innenverteidiger Max Geschwill, die Mittelfeldspieler Tony Menzel und Paul Pöpperl sowie die beiden Offensivspieler Marvin Obuz und Jaka Cuber Potocnik stehen verletzungsbedingt nicht zur Verfügung.
Von dieser Verletztenmisere lässt sich Rot-Weiss Essen bislang jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Stattdessen ist die Mannschaft noch enger zusammengerückt und konnte auch die beiden vergangenen Spiele jeweils mit 1:0 für sich entscheiden.
Spieler im Fokus: Dickson Abiama
Ein Spieler, den die Alemannia besonders im Fokus haben sollte, ist Dickson Abiama. Der Stürmer hat im vergangenen Westschlager gleich doppelt für RWE getroffen. In der laufenden Saison fällt ihm das Toreschießen in der Liga bislang aber schwerer – die Betonung liegt auf „bislang“. Im letzten Spiel gegen Großaspach ist bei ihm nämlich der Knoten geplatzt und er traf per Kopf zur Essener Führung. Natürlich per Kopf ist man geneigt zu sagen, schließlich hat RWE bereits neun seiner 20 Saisontore per Kopf erzielt.
Auf der anderen Seite überzeugte der 28-Jährige bislang als Assistgeber. Bemerkenswert ist dabei, dass RWE in den drei Partien, in denen Abiama eine Vorlage beisteuerte, jeweils nur ein Tor erzielte. Zweimal reichte die Vorarbeit des Stürmers somit für einen Sieg, einmal für ein Unentschieden.
Blick in die Historie: Drei Elfmeter für ein Halleluja
Am Ende der letzten Transferwoche des Vorjahres gastierte die Alemannia bei Rot-Weiss Essen. In den Tagen vor der Partie waren mit Mika Schroers, Lars Gindorf und Niklas Castelle gleich drei Offensivspieler zu den Schwarz-Gelben gestoßen. Alle drei standen direkt in der Startelf. Mit wasserstoffblonden Haaren und teilweise falsch beflockten Trikots sorgten sie für die ein oder andere Verwechslung.
Unabhängig davon mussten sich die Fans von Rot-Weiss Essen schnell verwundert die Augen reiben. Gegen eine bis dato sieglose Alemannia sollte doch ein ungefährdeter Heimsieg eingefahren werden. Stattdessen legten die Kaiserstädter einen wahren Sturmlauf hin. Die Schwarz-Gelben kombinierten sich immer wieder gefährlich vor das Tor von Jakob Golz und stellten die Essener Defensive vor große Probleme. Aus dem Spiel heraus ließ die Alemannia zwar beste Chancen ungenutzt, zur Pause stand dennoch eine 2:0-Führung auf der Anzeigetafel. Gleich zweimal konnten sich die Essener im eigenen Strafraum nur noch mit einem Foul behelfen und verursachten so einen Strafstoß. Lars Gindorf blieb in seinem ersten Spiel für die Alemannia vom Punkt jeweils eiskalt und verwandelte beide Elfmeter.
Nach der Pause und nach einem Foul an Faton Ademi gab es zum dritten Mal an diesem Abend Strafstoß. Erneut behielt Gindorf gegen Golz die Oberhand und erhöhte auf 3:0. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Alemannia sehr viel ins Spiel investiert, doch die Kräfte ließen zunehmend nach. Dadurch kamen die Hausherren besser ins Spiel und auch zum Torerfolg. Kaito Mizuta köpfte nach einem Freistoß zum 1:3 ein. Wenige Minuten vor dem Abpfiff sorgte Jaka Cuber Potocnik mit dem Anschlusstreffer für eine nervöse Schlussphase. Die Alemannia brachte den Vorsprung jedoch über die Zeit und feierte einen emotionalen ersten Ligasieg in der Saison 2025/26.
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