„Die Alemannia ist und bleibt ein mitglieder- und fanbasierter Verein“
Dirk Kall, kaufmännischer Geschäftsführer der Alemannia blickt nach der Saison 2025/26 zurück auf seine ersten Monate auf dem Tivoli, äußert sich zu den strategischen Planungen des Vereins und richtet einen Dank an Fans, Sponsoren und Partner.
Dirk, die Saison 2025/26 ist seit einigen Wochen Geschichte und damit auch deine erste als kaufmännischer Geschäftsführer der Alemannia. Wie hast du deine ersten Monate hier auf dem Tivoli in dieser Funktion erlebt?
Ich wurde vom ersten Tag an sehr gut im Verein aufgenommen. Im Hintergrund habe ich bereits seit Saisonbeginn an verschiedenen Prozessen mitgewirkt, offiziell gestartet bin ich dann aber erst im Dezember. Es blieb damals angesichts der sportlichen Situation wenig Zeit, sich in Ruhe einzuarbeiten. Gemeinsam mit Rachid und dem Aufsichtsrat mussten wir früh wichtige Entscheidungen treffen, die schließlich ihren Teil zu dieser tollen Rückrunde beigetragen haben. Parallel dazu haben wir uns intensiv mit den Zulassungsverfahren für die Regionalliga, die 3. Liga und auch die 2. Bundesliga beschäftigt. Viel Zeit zum Durchatmen gab es bislang nicht und die gibt es ehrlich gesagt auch jetzt nicht, weil der Fokus kurzfristig bereits auf der kommenden Saison und mittelfristig auf unseren strategischen Zielen liegt.
Rund um die Alemannia hat sich in den vergangenen Monaten – auch dank dieser hervorragenden Rückrunde – spürbar etwas entwickelt. Man hatte zuletzt das Gefühl, dass im Umfeld des Vereins viel positive Energie entstanden ist. Spürst du das auch im täglichen Arbeiten innerhalb des Vereins?
Auf jeden Fall. Sowohl die sportlichen Erfolge – insbesondere die unserer 1. Mannschaft – als auch die wirtschaftlichen Erfolge schlagen in eine positive Stimmung über. Es macht aber generell viel Spaß für einen Verein wie die Alemannia arbeiten zu dürfen. Nun freue ich mich ganz besonders drauf, aus unserer guten Ausgangsbasis heraus die nächsten Schritte anzugehen, um den Verein weiterzuentwickeln.
Welche Themen beschäftigen dich aktuell besonders?
Momentan führen wir viele Gespräche mit Partnern und Sponsoren über die Verlängerung und den Ausbau bestehender Partnerschaften und sprechen mit potenziell neuen Partnern über ein mögliches Engagement bei der Alemannia. Gleichzeitig analysieren wir gemeinsam mit unseren Dienstleistern, in welchen Bereichen wir uns weiter verbessern können und müssen.
Darüber hinaus arbeiten wir intensiv an einem Zukunftsbild für die Alemannia: Wo wollen wir als Verein hin, wofür wollen wir stehen und welche Bausteine benötigen wir dafür und wie können wir diese erreichen? Aber auch Themen wie verbesserte Fankommunikation, IT-Strukturen und -prozesse, Merchandising, Digitalisierung und die Entwicklung des Ticketing spielen eine wichtige Rolle.
Du hast die Gespräche mit den Sponsoren gerade schon angesprochen. In den vergangenen Wochen haben bereits einige Sponsoren ihre Verträge verlängert oder ausgeweitet. Wie wichtig ist diese Entwicklung für die wirtschaftliche Stabilität der Alemannia?
Unsere Sponsoren und Partner sind enorm wichtig, denn ohne ihre Unterstützung wäre eine nachhaltige Weiterentwicklung des Vereins nicht möglich. In diesem Zusammenhang möchte ich ausdrücklich auch die Rolle der Stadt Aachen hervorheben, die für uns ein sehr wichtiger Partner war, ist und bleiben wird. Hier möchte ich insbesondere auch unseren Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons erwähnen, der immer an unserer Seite steht.
Auch die Fans haben in der vergangenen Saison wieder eine außergewöhnliche Rolle gespielt – zuhause wie auswärts. Nun ist der Dauerkartenverkauf für die kommende Spielzeit gestartet. Welche Bedeutung hat ein guter Dauerkartenverkauf für den Verein?
Die Unterstützung unserer Fans kann man gar nicht hoch genug bewerten. Gerade der Dauerkartenverkauf bildet eine wichtige wirtschaftliche Grundlage für die neue Saison. Dass bereits nach kurzer Zeit über 6000 Dauerkarten verlängert oder gekauft wurden, zeigt eindrucksvoll, wie groß die Begeisterung rund um die Alemannia aktuell ist. Diese Verbundenheit unserer Fans ist etwas ganz Besonderes. Dabei geht es um so viel mehr als um den Kauf von Dauerkarten. Die Alemannia ist und bleibt ein mitglieder- und fanbasierter Verein, das bleibt eine unserer wichtigsten Maxime.
Die Alemannia hat die Zulassung für die kommende Drittligasaison erneut ohne Auflagen erhalten. Wie wichtig ist dieses Signal für den Verein?
Das ist – wie bereits im vergangenen Jahr – ein enorm wichtiges Signal. Sowohl gegenüber dem DFB als auch gegenüber unseren Fans, Partnern und der Öffentlichkeit zeigt dies, dass die Alemannia nicht nur aktuell wirtschaftlich auf gesunden Beinen steht, sondern auch seriös für die Zukunft plant. Gerade mit Blick auf die finanzielle Vergangenheit des Vereins schafft das Vertrauen – bei Fans, Partnern und Sponsoren. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Mitarbeitenden der Geschäftsstelle sowie unseren externen Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern bedanken, die in den vergangenen Monaten sehr intensiv an diesem Prozess gearbeitet haben.
In diesem Zusammenhang hat die Alemannia vorsorglich auch die Unterlagen für die 2. Bundesliga eingereicht. Warum war dieser Schritt aus Vereinssicht sinnvoll?
Zunächst einmal müssen wir festhalten, dass wir rechnerisch noch die Chance hatten, aufzusteigen. Auch wenn diese Chance gering war, wäre es unprofessionell gewesen, wenn wir nicht auch für diesen Fall geplant hätten.
Hinzu kommt, dass es für uns auch ein Lernprozess war, denn der Prozess der DFL für die 2. Bundesliga ist ein anderer als des DFB für die 3. Liga. Unsere Planung ist immer mehrgleisig und auf verschiedene Ligen ausgelegt. Es gibt kaum einen besseren Weg, die wirtschaftlichen Planungen für eben diese Ligen vorzubereiten, als an den Zulassungs- bzw. Lizenzierungsverfahren teilzunehmen.
Eine detaillierte Rückmeldung auf unsere Bewerbung haben wir allerdings nicht erhalten. Die DFL hat – was wir vollkommen verstehen können – zunächst die Zulassungen geprüft, die höhere Chancen auf die Ligazugehörigkeit haben als wir. Eine detaillierte Rückmeldung hätten wir somit nur im Aufstiegsfall erhalten.
Ein weiteres wichtiges Zukunftsthema ist der Nachwuchsbereich. Die Alemannia wird ab der kommenden Saison ein freiwilliges Anerkennungsjahr für ein Nachwuchsleistungszentrum starten. Warum hat sich der Verein zu diesem Schritt entschieden und wie ist der aktuelle Stand der Planungen?
Die Alemannia ist weit mehr als nur die erste Mannschaft. Wir wollen junge Talente aus der Region selbst ausbilden und ihnen den Weg in den Profifußball ebnen. Dafür ist ein Nachwuchsleistungszentrum ein entscheidender Baustein. Rachids Ziel ist es, eine möglichst hohe Durchlässigkeit zwischen Nachwuchs- und Profibereich zu schaffen.
Deshalb investieren wir allein in der kommenden Saison einen sechsstelligen Betrag in dieses Projekt. Ab Juli müssen wir nachweisen, dass wir die Anforderungen des DFB in personeller, infrastruktureller und wirtschaftlicher Hinsicht erfüllen können. Die finale Überprüfung erfolgt dann zum Ende der kommenden Saison.
Ebenfalls ein kurzfristiges Zukunftsthema ist der weitere Umbau im Gästeblock. Was passiert hier genau?
Das stimmt. Wir werden den Umbau des Gästeblockes in diesem Sommer gemeinsam mit der ASB weiter vorantreiben. Konkret lassen wir weitere 500 Sitzplätze durch sogenannte Variositze austauschen, sodass künftig rund die Hälfte des Blocks N2 mit diesem System ausgestattet sein wird.
Die Sitze sind nicht nur deutlich stabiler, sondern lassen sich auch hochklappen. In hochgeklapptem Zustand dienen sie zusätzlich als Sicherheitsbarriere und reduzieren die immer wieder stattgefundenen Zerstörung von Sitzplatzschalen im Gästebereich.
Bei allen positiven Entwicklungen spielt natürlich auch das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle. Wie wichtig ist es aus deiner Sicht, die aktuelle Entwicklung wirtschaftlich solide und langfristig aufzubauen?
Das ist für uns ein enorm wichtiges Thema. Wir denken nicht nur an die Alemannia der nächsten zwei, drei Jahre, sondern an die langfristige Entwicklung. Natürlich spielt der sportliche Erfolg dabei eine große Rolle, aber die Alemannia trägt auch eine hohe gesellschaftliche Verantwortung in der Region, der wir gerecht werden möchten.
Deshalb engagieren wir uns bewusst in sozialen Partnerschaften, die wir weiter ausbauen werden. Gleichzeitig wollen wir gemeinsam mit der Stadt Aachen und unseren Partnern auch im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit weitere Schritte gehen. Hinzu kommen Themen wie Inklusion und gesellschaftliches Engagement.
Die Alemannia besteht eben aus viel mehr als nur einer ersten Fußballmannschaft. Der Verein ist tief in Aachen und der Region verwurzelt. Alemannia ist Aachen – und Aachen ist Alemannia. Dieser Verantwortung wollen wir gerecht werden und unseren Beitrag für die Menschen in der Stadt leisten.
Und abschließend: Was möchtest du den Fans nach dieser besonderen Jubiläumssaison mit auf den Weg geben?
Zunächst einmal möchte ich mich bei unseren Fans für die außergewöhnliche Unterstützung in dieser Saison bedanken. Egal ob zuhause auf dem Tivoli oder auswärts, die Fans haben die Mannschaft und den gesamten Verein beeindruckend getragen.
Wir sind stolz darauf, solche Fans hinter uns zu wissen und werden alles dafür tun, dass wir auch in den kommenden Jahren viele besondere Momente gemeinsam feiern können.
Diese Seite nutzt Cookies für Google-Analytics. Sie können Cookies akzeptieren oder ablehnen und Ihre Entscheidung jederzeit ändern.