Di, 13. Oktober 2026

Jochen Seitz soll die Hessen wieder fit machen

Der SV Wehen Wiesbaden im Gegnercheck

Es ist bislang noch nicht die Saison des SV Wehen Wiesbaden. Der Verein aus der hessischen Landeshauptstadt war gestartet, um „das Ziel Zweite Liga in Angriff zu nehmen“. Die Realität sieht momentan allerdings anders aus. Die Alemannia-Redaktion hat einen Blick auf den kommenden Gegner der Kaiserstädter geworfen.

Die Verantwortlichen des SV Wehen Wiesbaden zogen nach fünf Spieltagen in der 3. Liga die Konsequenzen und trennten sich vom bisherigen Cheftrainer Daniel Scherning. Bis zu diesem Zeitpunkt war der SVWW noch ohne Ligasieg geblieben. Bereits in der Rückrunde der Vorsaison waren die Wiesbadener aus dem Tritt geraten und hatten in den letzten acht Spielen vor der Sommerpause nur noch einen Sieg eingefahren. Interimstrainer Frank Steinmetz konnte anschließend zwar mit 2:0 bei Fortuna Köln gewinnen, doch nur wenige Tage später folgte mit der 1:4-Heimniederlage gegen den MSV Duisburg der nächste Rückschlag. Zudem sah Tarik Gözüsirin, der Co-Kapitän der Hessen, in dieser Partie die Rote Karte und wird somit auch im Spiel gegen die Alemannia gesperrt fehlen.

Die Gründe für den schwierigen Saisonstart sind vielfältig: Zahlreiche Spieler haben im Sommer den Verein verlassen – ein Schicksal, welches allerdings die meisten Drittligisten kennen. Gleichzeitig kamen einige Neuzugänge erst im laufenden Saisonbetrieb zur Mannschaft, sodass für viele von ihnen eine gemeinsame Vorbereitung ausblieb. Schwer wiegen die Abgänge der beiden Offensivspieler Fatih Kaya und Nikolas Agrafiotis, die in der vergangenen Drittligasaison zusammen 19 Tore erzielten. Nach längeren Gesprächen zwischen Verein und Spieler verließ zudem Sascha Mockenhaupt den SVWW. Der 35-Jährige war Rekordspieler des Vereins und auch in der Kabine eine Führungsperson.

Jochen Seitz soll für Aufschwung sorgen

Für neuen Schwung soll nun Jochen Seitz sorgen. Der 50-Jährige, der 2009 als Spieler für die Alemannia aktiv war, hat bei seinen vorherigen Trainerstationen bereits erfolgreich gezeigt, dass er Mannschaften nachhaltig entwickeln kann. Viktoria Aschaffenburg etablierte er in der Regionalliga Bayern, Lok Leipzig führte er in den vergangenen beiden Jahren jeweils zur Meisterschaft in der Regionalliga Nordost. In beiden Spielzeiten stellten die Leipziger sowohl die beste Defensive als auch den besten Angriff der Liga.

Beim SVWW gibt es aktuell dagegen sowohl offensiv als auch defensiv Nachholbedarf. Mit 15 Gegentoren stellen die Wiesbadener eine der anfälligeren Defensiven der Liga. Auf der anderen Seite kam der SVWW vor dem Debüt von Jochen Seitz auf lediglich fünf Treffer – die bis dato schwächste Offensive der 3. Liga.

Allerdings platzte am letzten Spieltag der berühmte Knoten bei den Hessen. Am 50. Geburtstag von Seitz durfte er einen 4:2-Auswärtssieg beim FC Ingolstadt feiern. Zwar vergab seine Mannschaft einen Elfmeter sowie eine weitere große Chance in der 1. Halbzeit, doch nach einem Torwartfehler gingen die Wiesbadener in Führung. In der Folge spielten sie offensiv befreit auf und machten mit drei weiteren Toren sowie drei Punkten ihrem Trainer das perfekte Geburtstagsgeschenk. Durch den Sieg konnten sie zudem die Abstiegsplätze verlassen.

Spieler im Fokus: Ben Nink

Der 19-Jährige ist einer der interessantesten Spieler im Kader des SVWW. Das Eigengewächs spielt bereits seit der U13 für den Verein und durchlief bis zu seinem Profidebüt 2025 sämtliche Jugendmannschaften der Wiesbadener. Gleichzeitig ist Nink der jüngste Spieler, der in der Geschichte des SV Wehen Wiesbaden sein Debüt in der ersten Mannschaft feierte – 17 Jahre war er damals alt. Mittlerweile kommt er auf 27 Einsätze in der 3. Liga, in denen ihm drei Vorlagen gelangen.

Während Nink in dieser Saison sämtliche Spiele auf der rechten Abwehrseite absolvierte, ist seine Rolle in der Junioren-Nationalmannschaft eine andere. Der 19-Jährige ist fester Bestandteil der deutschen U19 und kam dort zuletzt als Linksverteidiger zum Einsatz – er selbst bevorzugt als Rechtsfuß seine in Wiesbaden vorgesehene Position. Dennoch stand Nink auch bei der U19-Europameisterschaft im vergangenen Sommer in allen Partien als Linksverteidiger auf dem Platz und erreichte mit der deutschen Mannschaft das Finale des Turniers. Dort mussten sie sich schließlich Spanien geschlagen geben.

Blick in die Historie: Der Befreiungsschlag in Hessen

Nach zuvor vier Niederlagen beim SV Wehen Wiesbaden konnte die Alemannia in der vergangenen Saison erstmals in der hessischen Landeshauptstadt gewinnen. Die Kaiserstädter setzten sich damals in einem leidenschaftlich geführten Spiel mit 2:1 durch. In der ersten Halbzeit brachten Lars Gindorf per Elfmeter und Mika Schroers die Alemannia mit zwei Treffern in Führung. Nikolas Agrafiotis hatte vor der Pause zwar die Chance, per Strafstoß zu verkürzen, scheiterte jedoch an der Parade von Jan Olschowsky.

Nach dem Seitenwechsel warfen die Wiesbadener alles nach vorne. Moritz Flotho verkürzte noch, doch die Aachener Defensive hielt dem Druck in der Folge stand. Nach langen 90 Minuten stand schließlich ein hart erkämpfter Auswärtssieg für die Alemannia auf der Anzeigetafel.

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