Di, 3. November 2015

Mitteilung des Aufsichtsrates

Alemannias Führung nimmt Stellung zur aktuellen Situation

Auf einer heute einberufenen Pressekonferenz hat die Führung der Alemannia Aachen GmbH Stellung zur aktuellen Situation bezogen. Die Rede von Dr. Christian Steinborn, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, können Sie hier in voller Länge nachlesen:

"Als gewähltes Organ der Mitglieder haben wir als Aufsichtsrat der Alemannia Aachen GmbH Transparenz versprochen. Nach gut einem Drittel der Amtszeit möchten wir heute einen Überblick darüber geben, was geschafft wurde, wie wir die aktuelle Lage beurteilen und welche Kernaufgaben wir für unsere bis 2018 dauernde Amtszeit sehen:

Noch während der schwierigen Phase der Insolvenz hatte sich das „Team 2018“ zusammengefunden mit dem Ziel, die Herausforderung des schwierigen Neuanfangs anzupacken. Erklärtes Ziel des Teams war es, nach Möglichkeit den Aufstieg aus der Regionalliga zu erreichen. Damit war zugleich die Notwendigkeit verbunden, viele – nicht immer nur populäre Entscheidungen – zu treffen.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen: der Verein befindet sich in der Phase der wirtschaftlichen und sportlichen Konsolidierung, wenngleich es immer noch schwierig ist, das Unternehmen Alemannia Spielbetriebs GmbH unterhalb der Bundesligen wirtschaftlich zu führen. Und dies obwohl wir mit unseren Zuschauerzahlen und dem Dauerkartenverkauf eine absolute Spitzstellung in der Fußball-Regionalliga einnehmen. Mancher Zweitligist beneidet uns um dieses phantastische Fanpotential und der Ruf der Alemannia Aachen zehrt noch immer von der klangvollen Geschichte dieses Traditionsclubs. Gleichwohl ist die Phase der Konsolidierung längst nicht abgeschlossen. Alle Beteiligten sehen die Notwendigkeit, die Regionalliga perspektivisch zu verlassen und die Bundesligen anzupeilen.

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt der Aufsichtsrat neben einem geradlinigen Konsolidierungskurs auf personelle Kompetenz: mit dem Geschäftsführer-Duo Timo Skrzypski für die kaufmännische Seite und Alexander Klitzpera für den Bereich Sport hat sich die Alemannia die Dienste zweier Manager gesichert, die in ihrer ganzen Vita Fußball gelebt haben. Cheftrainer Christian Benbennek hat nicht nur bei seinem letzten Verein, dem TSV Havelse, bewiesen, auch mit kleinen Budgets hervorragende Ergebnisse erzielen zu können. Er hat uns in der Phase der Trainersuche mit seinem sportlichen Konzept überzeugt. Die Ergebnisse aus Saisonvorbereitung und Saisonstart nach seiner Verpflichtung bestätigen diese Einschätzung.

Natürlich ist über die zwischenzeitliche Ergebniskrise niemand im Alemannia-Umfeld erfreut – am allerwenigsten Sportdirektor, Trainer und Mannschaft. Ein Umbruch war notwendig, weil wir – genauso wie in unseren Unternehmen – mit einem Team arbeiten möchten, dass den Weg des Neubeginns bedingungslos mitgehen will. Aber ein Umbruch braucht Zeit. Und diese Zeit werden wir dem gesamten Sportteam geben. Dabei setzen wir auf Ruhe, Kontinuität sowie ausgereifte und nachhaltige Entscheidungen. Wir werden sicher noch Rückschläge zu verkraften haben, sind aber davon überzeugt, dass sich dies am Ende auszahlen wird.

Mit Unverständnis reagiert der Aufsichtsrat auf Stimmen und Kritiker, die die Verpflichtung eines Sportdirektors für nicht notwendig oder zu teuer halten. Ein Blick auf unsere direkten Konkurrenten Viktoria Köln, Rot-Weiß-Oberhausen und Rot-Weiss Essen wie auch auf die derzeit an der Tabellenspitze rangierenden Mannschaften wie Lotte oder Borussia Mönchengladbach II zeigt, dass dies bei den ambitionierten Regionalliga-Mannschaften längst ein unverzichtbarer Standard ist. Die Forderung nach professionellen Strukturen lässt sich nur mit professionellen Mitteln erfüllen. Dies war seit unserer Wahl erklärtes Ziel des „Teams 2018“. Die Bewältigung der Aufgaben eines Sportdirektors und Trainers in Personalunion waren und sind mit den fußballerischen Ansprüchen von Alemannia Aachen nicht zu vereinbaren.

Zwangsläufig würden bei einer solchen Konstellation wichtige Aufgaben beim Scouting, Trainingsbetrieb, Vertragsverhandlungen, Spielbetrieb etc. vernachlässigt werden.

Bei dieser Gelegenheit möchte der Aufsichtsrat die Möglichkeit nutzen, sich bei den vielen Menschen zu bedanken, die sich für die Alemannia engagieren. Unser Dank gilt insbesondere den vielen treuen Fans und Zuschauern, den Sponsoren, der Stadt Aachen, dem Partner Infront, der Polizei, den Ehrenamtlern und all den anderen, mit denen wir vertrauensvoll zusammenarbeiten. Nur durch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Zusammenhalts werden wir die Alemannia wieder dahin bringen, wo sie als Traditionsclub mit diesem begeisterungsfähigen Umfeld sportlich hingehört.

Gleichzeitig appelliert der Aufsichtsrat, allen Beteiligten die Möglichkeit zu geben, die Herausforderungen der Restrukturierung in Ruhe angehen zu können. Es kann nicht erwartet werden, dass so kurz nach einer Insolvenz schon wieder alles so läuft wie einst zu Erstligazeiten. Darauf beharrlich hinzuarbeiten, ist nicht nur die Aufgabe für einige wenige, die sich aktiv einbringen. Jeder Einzelne ist aufgerufen, am Erfolg der Alemannia mitzuwirken.

Schließlich geht es um 115 Jahre Fußball-Tradition, den größten Sportverein der Region und um ein sozial und wirtschaftlich kaum wegzudenkendes Aushängeschild der Stadt Aachen. Deshalb wäre ein vermehrter Support von bisher nicht engagierten Unternehmen aus der Region wünschenswert. Wenn andere Vereine über viel mehr Finanzmittel verfügen wird es umso schwieriger, die ambitionierten Ziele zu erreichen.

Gemeinsam sollten wir nach vorne schauen und nicht immer wieder Entscheidungen in Frage stellen oder lautstark kritisieren. Im Zweifel können dies nur die handelnden Akteure wirklich beurteilen. Wir können Ihnen in diesem Zusammenhang versichern, dass wir alle hart und seriös daran arbeiten, die Alemannia nach vorne zu bringen und handeln, wenn erkennbar wird, dass bei Verantwortlichen gemeinsam vereinbarte Ziele aus den Augen verloren werden. Natürlich gehören Kritik und Aufregung so selbstverständlich zum Fußball wie Einwürfe und Eckbälle. Emotionen sind das Lebenselixier dieses fantastischen Sports. Dies möchte keiner von uns missen.

Jedoch kann es der Aufsichtsrat auch nicht widerspruchlos hinnehmen, wenn sich in der öffentlichen Debatte Unsachlichkeit mehr und mehr Bahn bricht. Bei aller verständlichen und notwendigen Kritik, mit der wir als Aufsichtsrat konstruktiv umgehen werden, erwarten wir aber ein Mindestmaß an Fairness und Sachlichkeit. Diese Sachlichkeit und Fairness lassen bei einigen – häufig unter dem Schutz der Anonymität verfassten Beiträgen – in (sozialen) Medien gerade in letzter Zeit leider zu wünschen übrig.

Maßlose und unsachliche Kritik konterkariert nicht nur das Engagement der vielen, zum großen Teil ehrenamtlich im Verein tätigen Personen. Es schadet auch und vor allem Mannschaft, Funktionsteam und sportlicher Leitung, deren oberstes Ziel es ist, jedes Spiel zu gewinnen. Somit wird dem Verein als Ganzem ein Bärendienst erweisen.

Der Aufsichtsrat sieht anlässlich der jüngsten Ereignisse zudem die Notwendigkeit, weiterhin jede Form von Gewalt oder Diskriminierung innerhalb und außerhalb des Stadions unter dem Deckmantel der Alemannia auf das Schärfste zu verurteilen. Solche angeblichen Fans, die unseren Verein als Plattform missbrauchen, um Regeln des Anstands und strafrechtliche Grenzen zu überschreiten, werden wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln konsequent verfolgen und für ihre Verfehlungen zur Verantwortung ziehen: sei es durch Stadionverbote oder persönliche Regressforderungen. Wir werden nicht dulden, dass durch solches Verhalten der Ruf oder gar das Fortbestehen der traditionsreichen Alemannia geschädigt wird. Der Prozess der von Angelika Ribler geleiteten und vom DFB unterstützten Leitbilderstellung steht kurz vor dem Abschluss. Durch Beteiligung aller relevanten Gruppen hoffen wir, hiermit einen Kodex zu schaffen, der allgemein akzeptiert und auch gelebt wird.

Schließlich sieht der Aufsichtsrat eine seiner wichtigsten Aufgaben bei der Suche nach einer mittelfristigen strategischen Finanzierung. Nur so können wir unabhängig von sportlichen oder wirtschaftlichen Schwankungen nachhaltig den Weg zurück in die Bundesliga planen und angehen. Über diese Pläne wie über viele andere vereinsrelevante Themen – wie zum Beispiel das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) mit seinen vielen erfolgreichen Mannschaften – werden die Gremien ab dem kommenden Heimspiel künftig in einem Vorwort im „Tivoli Echo“ informieren."

 

 

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