HolzScherf
Mo, 12. September 2005

Seit über 25 Jahren bei der Alemannia

Portrait Jupp Vanhouttem

Gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Jordens stellt Vanhouttem die physiotherapeutische Versorgung der Profis sicher – und das seit nunmehr 25 Jahren.

Streng genommen sind es sogar schon 28 Berufsjahre, die der Niederländer am Tivoli verbracht hat. Zwar steht er seit dem 1. Juli 1980 ohne Unterbrechung in Diensten der Schwarz-Gelben, aber da waren ja auch noch drei Jahre von 1975 bis 1978. „Damals konnten wir uns nicht auf eine Verlängerung einigen. Da war ich dann eben zwei Jahre lang selbstständig“, erinnert sich der „Physio“. Aber die Behandlungskünste des Jupp Vanhouttem sind doch in so bleibender Erinnerung geblieben, dass man ihn 1980 zur Alemannia zurückholte.

26 Trainer hat der Holländer in seiner Zeit an der Krefelder Straße erlebt. Man kann ihm problemlos mehrere Stunden zuhören, so viele Anekdoten hat er rund um den Tivoli erlebt. So seien vor langer Zeit im Trainingslager einmal fünf Spieler beim nächtlichen Ausgang erwischt worden. „Die haben trainiert bis zum Abwinken“, lacht Vanhouttem. Es spricht für ihn, dass er keine Namen nennt. „Wenn mir jemand etwas im Vertrauen erzählt, dann kann er sich hundertprozentig auf mich verlassen.“ Logischerweise kommt auch ein Physiotherapeut mit dem einen Spieler besser aus als mit dem anderen. Vanhouttem hält sich an die goldene Regel, einfach immer alle gleich zu behandeln und nie etwas privat mit den Spielern zu unternehmen, gemeinsame Feiern der Mannschaft mal ausgenommen. Fest steht, dass auf der Massagebank so manches privates Wort gesprochen wird. Einem gewissen Torsten Frings gab Vanhouttem bei der Behandlung einst den Tipp, zu Werder Bremen zu wechseln. Es soll dem jungen Mann nicht geschadet haben.

Als negative Höhepunkte seiner Karriere bezeichnet Jupp Vanhouttem den Abstieg in die Regionalliga und den Tod von Werner Fuchs. „Das hat mich ziemlich angegriffen“, gesteht er. „Der Werner war ein Typ, der wollte immer gewinnen. Dafür ging er mit dem Kopf durch die Wand, genau wie ich auch“, erzählt Vanhouttem. Also hat sich auch der Niederländer ein wenig zurückgenommen, er ist ruhiger geworden. „Ich war früher viel verrückter als jetzt, habe überhaupt nicht nach Stunden gefagt“, erinnert er sich. Sogar die Hochzeitsfeier der eigenen Schwester ließ Vanhouttem sausen – schließlich spielte die Alemannia am Freitagabend in Wuppertal. Auch auf seinen Wunsch hin wurde mit dem Wiederaufstieg 1999 ein zweiter Physiotherapeut dazu genommen. Aber nicht nur die Belastung, auch das gesamte Arbeitsprofil hat sich im Laufe der Jahre verändert. „Früher hatten wir eine Massagebank und sonst nichts. Als ich anfing, habe ich oft noch Material von zuhause mitgebracht.“ Bei der Aufzählung der modernen Geräte, die der Alemannia heute zur Verfügung stehen, wird der Wandel klar. Whirlpool, Entmüdungsbecken, Eismaschine, Unterwassermassage. „Ich garantiere, dass wir unter den Zweitligisten ziemlich an der Spitze liegen, was die Betreuung angeht.“

Zwar erleichterten Diagnosemöglichkeiten wie etwa die Kernspintomographie die Arbeit deutlich, die Verletzungen seien aber im Großen und Ganzen gleich geblieben. Für Vanhouttem ist klar: „Früher wurden die Spieler nicht so verwöhnt wie heute.“ Gleichzeitig gibt der Physiotherapeut zu, dass sich das Umfeld des Fußballs drastisch verändert habe. „Der Druck war früher nicht ganz so extrem, es stand auch nicht immer gleich alles in der Presse.“ Auch wenn das Ziel Erste Bundesliga immer noch im Kopf von Jupp Vanhouttem herum spukt, - „Der Reiz aufzusteigen ist immer da“ – hat er längst erkannt, dass das Leben nicht nur aus Fußball besteht. Der Natur-Liebhaber macht sich in der Freizeit zu langen Spaziergängen auf. Seine besondere Leidenschaft gehört Irland. „Nach meinem ersten Besuch bin ich von diesem Land nicht mehr losgekommen“, gesteht er. Sogar die Angewohnheiten der Iren hat sich Vanhouttem abgeschaut. In allen Monaten mit „r“, also von September bis April, trinkt er täglich ein Glas irischen Whiskey. Diese Stärkung der Abwehrkräfte scheint bisher prächtig zu wirken. „In den insgesamt 28 Jahren komme ich auf maximal 16 Krankheitstage“, rechnet Vanhouttem vor.

Dennoch denkt er schon über die Zeit nach der Alemannia nach. Ein Computer-Kurs will Jupp Vanhouttem absolvieren, sich ein schönes Leben mit seiner Frau machen. Im Dezember wird der Holländer 63 Jahre alt. Maximal bis 65 will er noch arbeiten, dann soll Schluss sein. „Jörg Schmadtke erfährt als erster, wann ich aufhöre.“ Hoffentlich trägt das positive Umfeld dazu bei, dass Jupp Vanhouttem der Alemannia möglichst lange erhalten bleibt: „Wir haben hier nur anständige Jungs. Das habe ich schon ganz anders erlebt.“

Verwendung von Cookies

Diese Seite nutzt Cookies für Google-Analytics. Sie können Cookies akzeptieren oder ablehnen und Ihre Entscheidung jederzeit ändern.

Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Ablehnen Akzeptieren

Einstellungen

Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Ablehnen Akzeptieren
Cookie Einstellungen Historie

Historie

alles löschen Schließen