Fr, 28. Januar 2011

Trauer um Fritz Neußl

Im Alter von 98 Jahren verstarb in der Nacht zum Freitag der langjährige Stammtorhüter der Alemannia Fritz Neußl. Die Torwart-Legende war das letzte lebende Mitglied der erfolgreichen Alemannia-Mannschaft der späten 30er-Jahre.

Der Österreicher Neußl, der in seiner Heimat beim Leobener SV aktiv war, war 1932 eigentlich nur auf der Durchreise. Eine Krankheit zwang ihn zu einem Aufenthalt im Monschauer Krankenhaus, und in der Regenerationszeit suchte er bei der Alemannia als bekanntestem Verein der Gegend eine Möglichkeit zur sportlichen Betätigung. Bei den Schwarz-Gelben wurde er schnell als „die Katze“ bekannt und löste zur Saison 1933/34 den früheren Nationaltorwart Karl Zolper im Tor ab, das er bis 1940 mit großem Erfolg hüten sollte.

Neußl brachte so manchen gegnerischen Stürmer zur Verzweiflung und bildete zusammen mit der Abwehr um Nationalspieler Reinhold Münzenberg ein kaum zu überwindendes Bollwerk. So kassierte die Alemannia 1936/37 nur 21 Treffer in 22 Spielen und stieg in die Gauliga auf. Hier gewann die Alemannia mit wiederum nur 21 Gegentoren in 18 Begegnungen als Aufsteiger sensationell die Meisterschaft und nahm an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft teil – der größte Erfolg der Vorkriegszeit.

Fritz Neußl war beim deutschen Konsulat in Lüttich angestellt, wo er wochentags alleine mit einem Ball an einer Bergwand trainierte. Als er 1940 nach Berlin versetzt wurde, endete seine sportliche Karriere bei der Alemannia. Nach Kriegsgefangenschaft und einigen Jahren in Österreich kehrte er 1953 mit seiner Aachener Frau Aenne in die Kaiserstadt zurück, wo er bei Goffart & Münzenberg - der Firma seiner ehemaligen Mannschaftskameraden - eine Anstellung im kaufmännischen Bereich fand. Fritz Neußl blieb Aachen auch nach seinem Ruhestand 1977 treu und lebte mit seiner Frau in der Turpinstraße. Bis ins hohe Alter unternahmen die beiden tägliche Spaziergänge zum Elisenbrunnen, um ein Glas des Wassers aus der Kaiserquelle zu trinken. 2010 feierte das Paar seinen 70. Hochzeitstag.

Zum Abschied des alten Tivoli im Jahr 2009 war Neußl der älteste der Alemannia-Veteranen, die ihre Spielstätte ehrenvoll verabschiedeten. Im Februar wäre er 99 Jahre alt geworden. Die Beisetzung findet im engsten Familienkreis statt.

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