1. Bundesliga - Saison 2006/2007 - 26. Spieltag - Samstag 17.03.2007  - 15:30 Uhr
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Frontzeck: „Keine Jammerei“

Ebbers und Moosmayer im Kader

„Jeder weiß, dass ich für Jammerei nicht zu haben bin. Wie werden die Ausfälle wie immer so gut wie möglich kompensieren“, sagt Alemannen-Coach Michael Frontzeck vor dem Spiel gegen Bielefeld. Dabei ist die Lage angespannt wie nie in dieser Saison: Neben den bisherigen Ausfällen von Krontiris, Nemeth und Plaßhenrich wird auch Cristian Fiel verletzungsbedingt fehlen. Dazu kommen die gesperrten Sascha Dum und Alex Klitzpera.

Sascha Dum wurde für seine Handbewegung vom DFB mit der Mindeststrafe von einem Spiel Sperre belegt und Alexander Klitzpera sitzt gegen seinen ehemaligen Verein die fünfte Gelbe Karte ab. Cristian Fiel laboriert an einem Muskelfaserriss. Auf den Ausfall seiner kompletten linken Mittelfeld-Seite (Dum und Fiel) reagierte Frontzeck, indem er U23-Kapitän Tom Moosmayer für das Spiel nominierte. Moosmayer zeigte sich in den vergangenen Wochen nicht nur in starker Verfassung, sondern ist vor allem eins: Linksfüßler. Welcher Nachwuchsspieler außerdem in den Kader rückt, entscheidet sich kurzfristig. Es gibt auch einen Lichtblick aus personeller Sicht: Stürmer Marius Ebbers ist nach überstandener Verletzung wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und wird am Samstag auf der Bank Platz nehmen. „Er befindet sich in einem sehr guten Zustand und hat keinerlei Probleme mehr. Ein schönes Gefühl zu wissen, dass man auf der Bank auch wieder Optionen für den Sturm hat“, freut sich der Alemannen-Trainer über die Genesung seines Angreifers.

Der Gegner aus Bielefeld macht durch Schlagzeilen anderer Art auf sich aufmerksam. Die Ostwestfalen reagierten auf die sportliche Talfahrt der letzten Wochen, die mit dem Sturz auf den vorletzten Tabellenplatz endete. Nachdem bereits vor vier Wochen Trainer Thomas von Heesen sein Amt niedergelegt hatte, wurde nun auch der ehemalige Co-Trainer Frank Geideck, der mit seiner Mannschaft in vier Spielen drei Niederlagen kassierte, ins zweite Glied zurück beordert. Für ihn ist ein alter Bekannter nach Bielefeld zurückgekehrt: Ernst Middendorp soll die Arminen vor dem Abstieg bewahren. Der 48-Jährige trainierte die Ostwestfalen bereits von 1988 bis 1990 sowie von 1994 bis 1998. „Man wird erst im Nachhinein sehen, welchen Einfluss der Trainerwechsel wirklich hatte“, vermutet Frontzeck. Dennoch weiß er die Leistung des Rückkehrers zu würdigen: „Ernst Middendorp hat einen sehr guten Namen in Bielefeld, weil er den Verein mit aufgebaut hat und sehr gute Arbeit abgeliefert hat. Da war es abzusehen, dass er zum Kreis der möglichen Kandidaten gehören würde“, erklärt er.

„Wir befinden uns in einer ähnlichen Situation wie in den letzten Wochen mit Spielen gegen direkte Konkurrenten. Die Bielefelder werden alles geben, um die drei Punkte mitzunehmen. Aber da werden wir voll gegenhalten“, gibt sich Frontzeck kämpferisch. Parallelen zum Hinspiel, wo die Schwarz-Gelben auf der Bielefelder Alm mit 1:5 verloren, sieht er nicht: „Das war auch in der Höhe eine verdiente Niederlage. Aber die Dinge haben sich seitdem weiter entwickelt. Wir haben eine sehr gute Ausgangsposition und haben den Klassenerhalt in der eigenen Hand. Das Wichtigste wird sein, dass wir den guten Weg der letzten fünf Wochen weiter gehen und unsere Siegesserie fortsetzen“, weiß Frontzeck. Auch die derzeitige Platzierung - die Alemannia liegt auf dem neunten Rang - will er nicht überbewerten: „Es zeichnet sich in diesem Jahr ein verrücktes Tabellenbild ab. Zehn Mannschaften kämpfen darum, nicht auf die letzten drei Plätze zu fallen. Deshalb interessiert mich die Tabelle auch nicht sonderlich. Wir sind bis jetzt immer sehr gut damit gefahren, nicht nach rechts oder links zu gucken, sondern nur auf uns selbst. Und das wird auch so bleiben“, sagt Frontzeck.

Laut Statistik stehen die Chancen auf einen Sieg der Schwarz-Gelben am heimischen Tivoli über die Ostwestfalen nicht schlecht. Denn sieben der bisherigen zwölf Begegnungen gewannen die Aachener, bei einem Unentschieden und vier Niederlagen. In der höchsten deutschen Spielklasse sind sich diese beiden Mannschaften auf dem Tivoli aber noch nie begegnet. Die Bilanz insgesamt fällt hingegen negativ aus: Neun Siegen, vier Unentschieden und dreizehn Niederlagen stehen zu Buche.

Schiedsrichter der Partie ist Herbert Fandel. Ihm assistieren an den Seitenlinien Jan-Hendrik Salver und Carsten Kadach. Vierte Offizieller der Partie ist Thomas Frank.

Infos

Bilanz gegen Bielefeld
Infos zu Bielefeld

Spieldaten

Aufstellung

Alemannia Aachen: Herzig, Ibišević, Lehmann, Leiwakabessy, Pinto (78. Casper), Reghecampf (87. Heidrich), Rösler, Schlaudraff (90. Manuel Junglas), Sichone, Stehle, Straub / Trainer: Michael Frontzeck

Arminia Bielefeld: Böhme (64. Masmanidis), Bollmann, Borges, Hain, Kamper, Kauf (77. Marx), Korzynietz, Schuler, Westermann, Wichniarek, Zuma (64. Eigler) / Trainer: Ernst Middendorp

Tore

1:0 Schlaudraff (70.), 2:0 Reghecampf (76.)

Verwarnungen

  Böhme (21.),   Schuler (48.),   Pinto (54.),   Borges (54.),   Bollmann (76.)

Ecken

6 / 2

Schiedsrichter:

Herbert Fandel, Carsten Kadach, Jan-Hendrick Salver

Zuschauer:

20.800 (davon ca. 2000 aus Bielefeld)

Wetter:

10 Grad, bedeckt

Beeindruckende Serie hält an

Verdienter 2:0-Erfolg über Arminia Bielefeld

Die Alemannia hat sich im Abstiegskampf weiter Luft verschafft und ihre beeindruckende Serie auf nunmehr sechs Spiele ohne Niederlage ausgebaut. Vor 20.800 Zuschauern auf dem ausverkauften Tivoli besiegte das Team von Michael Frontzeck Arminia Bielefeld mit 2:0. Die Treffer erzielten Jan Schlaudraff (71.) und Laurentiu Reghecampf per Foulelfmeter (76.).

Als der Ball in die Maschen des Bielefelder Tornetzes kullerte, hob Jan Schlaudraff ab…und landete in den Armen seines Verletzten Freundes Marius Ebbers. Aachen hatte soeben (71.) das 1:0 gegen die Arminia erzielt. Und auf den Rängen jubelte einer, der weiß, wie es ist, abzuheben und über den Wolken zu sein: Reinhard Mey. Der weilte zu CD-Aufnahmen in Aachen und Schlaudraff ist großer Freund des beliebten Liedermachers und seines Klassikers „Über den Wolken“. In den Tagen vor dem Spiel hatten sich die beiden kennen gelernt und nun wurde Mey eben Zeuge eines ebenso wertvollen wie verdienten 2:0-Erfolges der Alemannia über Arminia Bielefeld. Mann des Tages? Irgendwie Jan Schlaudraff. Denn der wurde kurz nach seinem Führungstor von Arminen-Verteidiger Marcio Borges im Strafraum von den Beinen geholt und Laurentiu Reghecampf traf vom Elfmeterpunkt (76.). Damit hat die Alemannia den Abstand auf die Arminen auf satte sieben Zähler ausgebaut und liegt nunmehr sechs Zähler vor den Abstiegsrängen. Als Tabellenneunter!

Doch der Reihe nach: Nieselregen begleitete die Mannschaften auf das Feld. Die Alemannia wurde mal wieder angeführt von Moses Sichone. Trainer Michael Frontzeck ersetzte den gelb-gesperrten Alexander Klitzpera durch den sambischen Nationalspieler, während für den nach seinem Platzverweis in Cottbus ebenso pausierenden Sascha Dum Sergio Pinto in die Mittelfeldraute rutschte. Rechtsfuß Pinto übernahm die rechte Außenposition im Mittelvierer, Reghecampf übernahm den Dum-Part auf der linken Bahn, während Sascha Rösler hinter die Spitzen Jan Schlaudraff und Vedad Ibisevic rückte - abgesichert von Matze Lehmann. Und weil sich mit Marius Ebbers eine Alternative mit muskulären Problemen kurzfristig für die wichtige Partie abmelden musste, Cristian Fiel, Reiner Plaßhenrich, Szilard Nemeth und Emu Krontiris ohnehin ausfielen, nahmen ein paar frische Gesichter auf der Bank Platz: Manuel Junglas, Yunus Balaban, Abdul Özgen und Tom Moosmayer - allesamt Leistungsträger in der zweiten Mannschaft bzw. der U19.

Auf der anderen Seite musste Arminias Neu-Trainer Ernst Middendorp zwar die Ausfälle von Radim Kucera und Petr Gabriel verkraften, konnte aber wieder auf die Ruhe und Ausstrahlung von Stammkeeper und Kapitän Matze Hain setzen. Und die waren gefragt denn die Alemannia übernahm umgehend die Spielregie. Energisch und druckvoll. Und Hain? Dem fehlten nach Krankheit noch Abstimmung und Präzision. Der Keeper verschätzte sich nach einem hohen Schlag in die Spitze, Vedad Ibisevic - wohl angetrieben von seiner Nominierung für die bosnische Nationalmannschaft - zündete den Turbo und kam an der Strafraumgrenze vor Hain mit dem Kopf an den Ball (7. Minute). Der flog dann auch viel versprechend gen Torlinie, doch Markus Bollmann markierte den Spielverderber und klärte zu Ecke. In deren Anschluss erreichte jener Ibisevic eine Pinto-Hereingabe nur mit den Haarspitzen.
Doch die Arminia ließ sich nicht schocken, lauerte auf Löcher im schwarz-gelben Defensivnetz. Und fand eines in der 9. Spielminute als Jonas Kamper, zweifacher Torschütze beim 5:1-Hinspielfestival, Jeffrey Leiwakabessy an der Grundlinie aussteigen ließ und präzise auf den Kopf von Heiko Westermann flankte. Den hatte Middendorp als Partner von Rüdiger Kauf ins Mittelfeld beordert - doch Westermann ist gelernter Verteidiger und so ungefährlich war denn auch sein Torversuch. Seinem Kopfball konnte Stephan Straub kaum ausweichen. Chance vertan. Durchatmen.

Zum Spiel

Laurentiu Reghecampf: Es war keine Frage, ob ich den Elfmeter schieße. Es war einfach klar für mich. Trotzdem war ich sehr erleichtert, als ich die Kugel im Netz liegen sah. Das war sicher ein sechs-Punkte-Spiel heute. Umso besser, dass wir uns jetzt von den Abstiegsrängen etwas absetzen konnten. Der Sieg gegen Bielefeld war immens wichtig für die Alemannia.

Sascha Rösler: Meine Verletzung ist halb so wild. Es ist geklebt worden, gleich muss ich noch zur Nachbehandlung, aber die drei Punkte heute waren es mir wert. Dafür nimmt man einiges in Kauf. Wir haben heute wieder bewiesen, dass wir auch mental stark sind. Wir können dem Druck standhalten. Wir haben die breite Brust, weil wir uns in der Vergangenheit schon bewiesen haben. Das war vielleicht heute der entscheidende Unterschied zu Bielefeld. Und unser klarer Vorteil.

Sergio Pinto: Jetzt können wir mit weniger Druck nach Vorne sehen. Es tut gut, die Punkte im sicheren Soll auf dem Konto zu haben. In den kommenden Tagen werden wir davon sicher zehren können. Dennoch dürfen wir die Konzentration nicht verlieren. Es stehen noch wichtige Spiele auf dem Programm.

Ernst Middendorp: Herzlichen Glückwunsch an Alemannia Aachen. Die gegnerische Mannschaft hat sich heute wirklich besser präsentiert, als wir. Für uns heißt es jetzt dringend, in die richtige Spur zurück zu finden. Ich denke, auch wenn wir heute verdient verloren haben, hätte das Spiel in der ersten Halbzeit ganz anders verlaufen können. Doch dem Team hat die Entschlossenheit gefehlt.

Michael Frontzeck: Ich bin mit der Leistung meiner Mannschaft heute überaus zufrieden. Das war nicht nur ein sehr wichtiger Sieg für uns mit Blick auf die Tabelle. Das Team hat auch gezeigt, dass wir die großen personellen Probleme kompensieren können. Die Jungs haben sehr konzentriert gespielt, auch mal auf ihre Chancen gewartet und sie dann aber auch genutzt. Wir haben heute 1:1 umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Ich habe also nichts zu meckern. Die Pause kommt mir jetzt sehr gelegen. Die Mannschaft hat sich eine Verschnaufpause verdient.

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