2. Bundesliga - Saison 2005/2006 - 6. Spieltag - Mittwoch 21.09.2005  - 17:30 Uhr
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Dieter Hecking kündigt personelle Änderungen an

Das Spiel gegen LR Ahlen (Mittwoch, 17.30 Uhr) steht vor der Tür, doch immer noch dreht sich vieles um die 1:5-Niederlage der Alemannia bei Energie Cottbus am Sonntag. So galt auch das Augenmerk von Dieter Hecking am Dienstag eher der Nachbereitung der letzten Partie als dem Ausblick auf die kommende Aufgabe.

„Ich bin froh, dass wir morgen gleich wieder spielen“, sagte Dieter Hecking. So bleibt ihm und vor allem dem Team eine lange Phase des Nachdenkens über die Leistung in der Lausitz erspart. Hecking wollte auch gar nicht darüber spekulieren, welche Konsequenzen seinen Schützlingen ohne das Spiel in der Wochenmitte gedroht hätten. Drei Tage nach dem 1:5 gibt es am Mittwoch gegen den LR Ahlen die Gelegenheit zur schnellen Wiedergutmachung. Was wiederum nicht heißt, dass der Auftritt in der Lausitz schon vergessen ist. „Ich kann da nicht einfach drüber hinweg gehen“, so Hecking.

Am Montag hatte es eine Ansprache gegeben, die sich dann zur Aussprache entwickelte. Erst wandte sich der Trainer an die Spieler, dann entbrannte eine Diskussion innerhalb der Mannschaft. Indiz dafür, dass die herbe Niederlage und die schwache Leistung nicht spurlos am Team vorüber gegangen sind. Der Trainer fand bei seiner Kritik klare Worte: „Egal ob ich aufsteigen will, gegen den Abstieg spiele oder im Mittelfeld rumdümple: So wie in Cottbus darf man sich nicht präsentieren.“ Zweikampfverhalten und Laufbereitschaft, zwei der zentralen Punkte im Fußball, seien im Stadion der Freundschaft nicht vorhanden gewesen. „Ich erwarte, dass diese Tugenden gegen Ahlen wieder zum Tragen kommen“, formulierte Hecking seinen Minimalanspruch an die Mannschaft.

Beim Versuch der Wiedergutmachung muss Hecking am Mittwoch weiter auf den verletzten Keeper Stephan Straub verzichten. Moses Sichone ist nach seinem Muskelfaserriss zwar wieder im Training, aber ebenfalls noch nicht einsatzbereit. Das Mitwirken von Cristian Fiel (Oberschenkelzerrung) und Sergio Pinto (Sprunggelenksverletzung) ist fraglich. Bei Pinto sind zudem noch Knieprobleme aufgetreten. Am Dienstag nahm der Offensivmann nicht am Training teil und blieb stattdessen zur Behandlung in der Kabine. Auch wenn sich der Coach wie gewohnt nicht zur Aufstellung äußerte, ließ er an einer Tatsache keinen Zweifel: „Es wird personelle Änderungen geben.“

Nach einem „Scheiß-Tag“ am Montag habe sich Dienstag eine andere Stimmung durchgesetzt, gab Hecking Einblick in sein Seelenleben. „Es geht weiter, es geht wieder los. Die Mannschaft bekommt wieder eine positive Ansprache, sie soll zeigen, dass sie es besser kann.“ Dabei darf sie einen gut gefüllten Tivoli erwarten. Für das Heimspiel wurden bisher rund 15.000 Karten verkauft. Auf den Wällen gibt es mit Ausnahme des M-Blocks noch Karten für alle Bereiche. Die überdachte Stehplatztribüne ist bis auf den Junior-Block ausverkauft. Dazu sind noch vereinzelte Sitzplätze zu haben. Die Frühkassen am Stadion öffnen um 13.30 Uhr, ab 15.30 Uhr sind alle anderen Kassen besetzt. Der Info-Point ist ab 14.30 Uhr erreichbar. Einlass ins Stadion ist ab 15.30 Uhr.

An den Gegner LR Ahlen hat die Alemannia keine guten Erinnerungen. Ende Januar bildete die 0:2-Heimniederlage den Auftakt zu einem verkorksten Frühjahr. In der Vorsaison vermiesten die Rot-Weißen den Aachenern auf der Zielgeraden den Aufstieg ins Oberhaus. Nach einem schwachen Saisonstart mit nur einem Punkt aus fünf Begegnungen und dem 17. Tabellenplatz ist Trainer Frantisek Straka in Ostwestfalen bereits in die Kritik geraten. Auch für die Gäste ist es also ein Spiel mit einer Extra-Portion Brisanz.

Schiedsrichter der Begegnung ist Michael Kempter (22, aus Sauldorf), mit seinen Assistenten Giuseppe Palilla und Stefan Schlott.

Stimmen vor dem Spiel

Dieter Hecking zu LR Ahlen
Dieter Hecking zur Aussprache mit der Mannschaft
Dieter Hecking zur Kritik
Dieter Hecking zur Selbstkritik

Spieldaten

Aufstellung

Alemannia Aachen: Klitzpera, Meijer, Nicht, Noll, Pinto, Plaßhenrich, Rauw, Rösler, Schlaudraff, Stehle, Sukalo / Trainer: Dieter Hecking

Rot Weiss Ahlen: Asanin, Bamba, Book, Djenic, Fengler, Keidel, Langeneke, Omerbegovic, Reus, Thioune, Velkoborsky / Trainer: Frantisek Straka

Tore

1:0 Erik Meijer (4.), 2:0 Jan Schlaudraff (34.), 3:0 Goran Sukalo (37.), 4:0 Thomas Stehle (50.), 4:1 Nico Patschinski (53.), 5:1 Sergio Pinto (56.), 6:1 Jan Schlaudraff (70.), 6:2 Jan Velkoborsky (75.)

Verwarnungen

  Petar Djenic (33.),   Sergio Pinto (36.),   Jens Langeneke (49.),   Musemestre Bamba (51.),   Timo Reus (55.),   Marcel Ketelaer (59.),   Emil Noll (71.),   Thomas Stehle (77.)

Ecken

5 / 4

Abseits

2 / 0

Schiedsrichter:

Michael Kempter, Palilla, Schlott

Zuschauer:

16.877 (davon 48 aus Ahlen)

Wetter:

Sonnig, 20 Grad

Alemannia landet den dritten Heimsieg der Saison

Zumindest was das Ergebnis angeht hat sich Alemannia Aachen für die 1:5-Niederlage in Cottbus rehabilitiert. Mit dem 6:2-Erfolg gegen LR Ahlen rückte das Team von Dieter Hecking vorübergehend auf Tabellenplatz 4 vor.

Das Spiel begann mit einer Schrecksekunde. Nach einem Freistoß durch Keidel von der rechten Seite kam der aufgerückte Velkoborsky völlig freistehend zum Kopfball, doch das Leder sprang von der Querlatte wieder zurück ins Feld (1.). Das rüttelte die Alemannen wach, denn gleich darauf spielte sich das Geschehen nur noch vor dem Ahlener Tor ab. Jan Schlaudraff bediente von der rechten Seite Sascha Rösler, der in Mittelstürmerposition den Ball nicht richtig traf und neben das Tor setzte (3.).

Eine Minute später sahen die 16.877 Zuschauer ein Tor, bei dem der Ball fast nicht das Netz erreichte und der Torschütze neben dem Tor lag. Was war passiert? Jan Schlaudraff hatte den Ball genau in den dynamischen Lauf von Reiner Plaßhenrich gelegt. Von der linken Seite brachte der Mittelfeldrenner den Ball ins Zentrum. Timo Reus brachte nur die Fingerspitzen an den Ball, konnte aber nicht richtig klären. Eigentlich war Erik Meijer am langen Pfosten zum Flugkopfball abgehoben. Auf dem Bauch liegend brachte es der Kapitän fertig, den Ball irgendwie über die Linie zu bringen. „Ich weiß nicht, wie er reingegangen ist. Ich lag da neben dem Tor und habe gesehen, dass er direkt neben mir über die Linie gerollt ist“, erklärte der Holländer.

In der 17. Minute zielte Rösler nach Vorarbeit von Emil Noll über das Tor. Auf der anderen Seite setzte Daniel Thioune einen Kopfball über den Kasten. In der 34. Minute machte sich alles bereit für eine hohe Freistoßflanke von Sergio Pinto. In den freien Raum zwischen Ahlener Mauer und dem „Rudel“ von Spielern im Zentrum startete Jan Schlaudraff. Perfekt bedient von Pinto musste der Linksaußen den Ball nur noch an Reus vorbei zum 2:0 ins Tor legen (34.). Und die Alemannia machte den Sack vor der Pause zu. Nach einem Angriff über die rechte Seite gelangte der Ball zu Goran Sukalo. Der Slowene legte sich die Kugel selbst vor, um dann aus 16 Metern per Dropkick zu vollenden. Keine Chance für Reus, Alemannia ging mit einer 3:0-Führung in die Kabine.

Kaum waren die Teams in den Katakomben verschwunden, betrat Frantisek Straka schon wieder den Rasen. „Manchmal reichen wenige Worte. Ich habe ihnen gesagt, dass es so nicht geht. Das war grausam in der ersten Halbzeit“, erklärte der Trainer die ungewöhnliche Maßnahme. Allerdings blieb sie ohne Wirkung. Denn in der 50. Minute schepperte es schon wieder. Nach einem Freistoß von Pinto jagte Thomas Stehle den Ball zum 4:0 ins Netz. Auf der Gegenseite zeigte der eingewechselte Nico Patschinski, dass er nichts „verlernt“ hat. Der blonde Stürmer holte einen Elfmeter gegen Emil Noll heraus und verwandelte mit viel Glück gegen Kristian Nicht, der fast pariert hätte (52.).

Zwei Minuten später zeigte der junge Schiedsrichter Michael Kempter, der gut pfiff, vor dem Würselener Wall auf den Elfmeterpunkt. Sascha Rösler war durch, lupfte den Ball über Reus und wurde dann von Ahlener Torwart umgestoßen. Sergio Pinto erwies sich erneut als Mann für die ruhenden Bälle und verwandelte sicher. Zehn Minuten später zirkelte Pinto dann einen Freistoß Richtung Torwinkel. Reus machte sich lang und klärte zur Ecke.

Marcel Ketelaer, ebenfalls zur Pause eingewechselt, brachte Reiner Plaßhenrich per Ellenbogencheck einen Nasenbeinbruch bei. Mit blutüberströmtem Gesicht musste der Vizekapitän vom Feld, viel umjubelt kam Willi Landgraf zu seinem ersten Saisoneinsatz und zu Zweitligaspiel Nummer 498. „Ein tolles Gefühl“, kommentierte der Routinier. Auch wenn das Spiel gegen Ende merklich verflachte, machte Alemannia dennoch das halbe Dutzend voll. Schlaudraffs Chance war eigentlich schon vorbei, doch Sladan Asanin legte ihm den Ball noch einmal vor. Keine Mühe für „Knochen“, aus zwei Metern zu vollstrecken.

Doch die Aachener wurden nachlässig, Velkoborsky durfte in der 75. Minute völlig frei den 6:2-Endstand köpfen. Mit 7:7 Toren in der Addition der letzten beiden Spiele hat die Alemannia das 1:5 von Cottbus zumindest was die Tordifferenz angeht ausgeglichen. „Die Mannschaft hat sich heute zu 80 Prozent rehabilitiert“, bilanzierte Dieter Hecking. „Ich denke, wir haben alle gesehen, dass heute trotz des Ergebnisses nicht alles rund lief“, so der Trainer.

Auch Kapitän Erik Meijer ließ sich von der Höhe des Sieges nicht blenden. „Wir waren heute nicht richtig gut, sondern Ahlen war richtig schlecht“, rückte der Stürmer das Resultat ins rechte Licht. „Wir haben innerhalb weniger Tage 1:5 verloren und 6:2 gewonnen. Das spricht nicht für unsere Konstanz“, sagte Meijer selbstkritisch. Trainer Hecking ist deshalb besonders gespannt auf den Montagsauftritt in Rostock: „Dort muss sich die Mannschaft beweisen.“ Das Auf und Ab der letzten Tage scheint auch Erik Meijer nicht zufrieden zu stellen. „Vielleicht sollten wir in Rostock einfach mal ein Unentschieden mitnehmen“, fordert der Kapitän.

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