2. Bundesliga - Saison 2004/2005 - 2. Spieltag - Sonntag 15.08.2004  - 15:00 Uhr
1
(1)
1
(1)

Selbstvertrauen holt man sich nur durch Siege

Nach dem Auftaktremis im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt reisen die Schwarz-Gelben am Sonntag ins südliche Münsterland zu LR Ahlen. Heute, zwei Tage vor dem Spiel, blickt der Alemannia Coach Dieter Hecking nur noch kurz auf den letzten Montag zurück.

"Die erste Halbzeit war ein sehr gutes Spiel, nach der Pause konnten wir das hohe Tempo so nicht halten, aber auch die 2. Halbzeit war nicht so ver-kehrt." Cheftrainer Dieter Hecking betont, dass seine Elf vom Spielverlauf her noch Glück mit dem späten Aus-gleich gehabt habe und erwartet jetzt, dass seine Mann-schaft die richtigen Lehren aus dem Spiel gezogen hat.

"Wir haben die Fehler herausgearbeitet und müssen unter anderem jetzt versuchen, die Klasse der ersten Halbzeit mit Tempowechseln über neunzig Minuten zu verteilen." Der Kader und die Aufstellung werden sich nicht groß verändern, lediglich Alemannia-Neuzugang Thomas Hengen meldete sich heute nach dem Vormittagstraining mit einem grippalen Infekt ab. "Wir haben ihn vorsichtshalber nach Hause geschickt, damit sich nicht noch einer ansteckt", erläutert Dieter Hecking. Alle anderen Spieler sind fit. Auch der angeschlagene Moses Sichone (Muskelverletzung) konnte am Freitag das Training ohne Probleme mitmachen.

Die Aufstellung der Alemannia im Wersestadion dürfte also kein allzu großes Geheimnis sein. "Nach den Erkenntnissen von Montag sind keine Umstellungen zu erwarten", verrät unser Trainer, der kein Freund davon ist, ständig Systeme und Aufstellungen zu verändern. Die Schwarz-Gelben konnten mit ihrem 4-3-3 sehr viel Druck auf die Eintracht aus Frankfurt erzeugen und das soll auch am Sonntag in Ahlen so sein. "Wir werden versuchen und das muss auch unser Anspruch sein, in Ahlen genauso aufzutreten wie auf dem Tivoli."

So sieht das auch der Neuzugang vom FC Schalke 04 Sergio Pinto. "Wenn man das Auftaktspiel daheim nicht gewinnt, sind alle zunächst schon etwas enttäuscht. Aber jetzt geht der Blick nach vorn und wir wollen in Ahlen drei Punkte holen." Noch beeindruckt war der dribbelstarke Flügelspieler von der Kulisse am Montag. ""Die Stimmung auf dem Tivoli beim Spiel gegen Frankfurt war Weltklasse. Das Einzige was fehlte waren die drei Punkte. Dann wäre alles perfekt gewesen."

Für Sergio persönlich war es übrigens ein sehr gutes Spiel. Nicht nur TV-Sender "Premiere" kürte unseren Stürmer nach der Partie zum "Spieler des Tages", auch unsere Fans hielten Sergio bei ihrer Abstimmung im Internet mit fast 34% mit Mehrheit für den Besten an diesem stimmungsvollen Abend.

Zum Gegner LR Ahlen verliert Dieter Hecking nur wenige Worte. "Dirk (Bremser) und ich haben sie in den letzten Wochen zweimal gesehen. Wir wissen, was uns erwartet und durch die Niederlage von Ahlen in Fürth ist die Aufgabe nicht leichter geworden. Ahlen steht in der Abwehr diszipliniert und versteht es auch gut in die Zweikämpfe zu kommen." Trotzdem lautet das Ziel unserer Mannschaft 3 Punkte. Nach den Beobachtungen des ersten Spieltages sind sich die sportlich Verantwortlichen sicher, dass die Alemannia vor keiner anderen Mannschaft Angst haben brauche. "Das soll jetzt nicht überheblich klingen", erklärt Trainer Hecking, "aber wir haben hohe Ansprüche an uns und das 1:1 gegen Frankfurt hat gezeigt, was wir können. Das richtige Selbstvertauen allerdings bekommt man nur durch Siege. Deshalb werden wir in Ahlen auf Sieg spielen. Ob sich das verwirklichen lässt, hängt natürlich auch damit zusammen, was der Gegner zulässt. Ahlen wird alles versuchen, gegen uns zu gewinnen. Wenn wir aber unser Potenzial zu 100% abrufen, wird es schwer sein, uns zu schlagen."

Spieldaten

Aufstellung

Rot Weiss Ahlen: Bamba, Djenic, Fengler, Jugovic, Langeneke, Meier, Mikolajczak, Paulinho, Sopic, Svitlica, Thiam / Trainer: Ingo Peter

Alemannia Aachen: Blank, Fiel, Klitzpera, Landgraf, Meijer, Pinto, Plaßhenrich, Rolfes, Scharping, Sichone, Straub / Trainer: Dieter Hecking

Tore

1:0 Zeljko Sopic (40.), 1:1 Jens Scharping (41.)

Verwarnungen

  Reiner Plaßhenrich (14.),   Simon Rolfes (28.),   Stanko Svitlica (33.),   Stefan Blank (62.),   Stefan Fengler (81.)

Schiedsrichter:

Meyer Florian

Zuschauer:

6.550 (davon ca. 1.400 aus Aachen)

Wetter:

heiter, 23°

Alemannia Remis in Ahlen

Wie bereits in unserer Vorschau berichtet, sah Dieter Hecking keinen Grund, die Mannschaft umzustellen und so stand zu Spielbeginn die gleiche Elf auf dem Platz wie in der Vorwoche. Auf der Bank gab es dagegen zwei Änderungen: Für den erkrankten Thomas Hengen rückte Frank Paulus in den Kader und auch Daniel Gomez (für Kai Michalke) war zum ersten Mal im Kader der Schwarz-Gelben, die heute mit ihrer Auswärtstracht ganz in Gelb antraten.

"Unser Anspruch muss sein, in Ahlen zu gewinnen", hatte Dieter Hecking im Vorfeld der Partie gesagt. Gesagt, getan, unsere Mannschaft spielte von Beginn ganz und gar nicht so ängstlich und unsicher wie noch in der letzten Spielzeit, sondern trat auf wie eine Heimmannschaft. Schon in der Anfangsphase lagen die Feldvorteile klar auf Aachener Seite und auch die erste Torchance ließ nicht lange auf sich warten. Ein Schuss von Simon Rolfes wurde im Strafraum abgeblockt, aber Erik Meijer legte mit dem Rücken zum Tor den Ball noch einmal klug ab auf unseren Neuzugang aus Bremen und Simon Rolfes nahm mit dem Innenrist genau Maß. Aber nicht genau genug, um Zentimeter strich der Ball am linken Pfosten vorbei (4.).

Nach fast einer Viertel-stunde hatte sich Cristian Fiel den Ball im Mittelfeld erobert, bediente Jens Scharping und unser Stürmer schoss nach einem kurzen Dribbling aufs Tor, wo aber Bernd Meier so gerade noch zur Ecke abwehren konnte. Unsere Mannschaft hatte das Spiel im Griff, wirkte sehr ballsicher und spielte mit variablem System nach vorne. Die wenigen Angriffsbemühungen der Ahlener wurde bereits im Keim erstickt, zeigten aber auch, dass mit der Heimmannschaft jederzeit zu rechnen blieb.

Wie in der Vorwoche fehlte leider die letzte Konsequenz vor dem Tor und beim Abschluss. Die Chancen häuften sich in der Folge. Doch weder ein schöner Flugkopfball (26.) von Cristian Fiel vom 16er nach Flanke des agilen Erik Meijer, noch Reiner Plaßhenrich in einem fast identischen Spielzug wie beim 1:1 gegen Frankfurt, also mit Vorarbeit Simon Rolfes, trafen das gegnerische Tor (32.). Dann folgte die größte Chance im Spiel bis dahin.

Cristian Fiel hatte sich den Ball erkämpft und wurde anschließend im Strafraum von Altmeister Vladimir Jugovic umgerissen. Den fälligen Strafstoß trat Sergio Pinto gar nicht mal so schlecht, doch Bernd Meier hatte die Ecke geahnt, war rechtzeitig abgesprungen und wehrte den Schuss mit dem Gesicht ab. Ob das unseren Flügelflitzer so irritiert hatte? Auf jeden Fall vertändelte Sergio Pinto fünf Minuten später den Ball an der Mittellinie, Musemestre Bamba bediente Zeljko Sopic und der war frei durch. Der letzte Rettungsversuch von Moses Sichone kam zu spät, Sopic traf für den Gastgeber. Einfach verrückt, aber schon oft gesehen. Auf der einen Seite werden die Chancen reihenweise vergeben und der Gegner macht mit dem ersten ernsthaften Angriff das Tor.

Doch unsere Mannschaft ist einfach etwas Besonderes, auch heute wieder. Der Stadionsprecher hatte noch nicht den Torschützen durchgegeben, da war schon der Ausgleich gefallen. Nach dem Anstoß bekam Stefan Blank den Ball auf links, weite Flanke auf Jens Scharping und der spitzelte die Kugel an Meier vorbei ins Ahlener Netz. Genau 49 Sekunden hatte unsere Mannschaft zum Ausgleich gebraucht und jetzt hatte auch der zweite Neuzugang aus Lübeck getroffen. Kurz vor der Pause hätte Cristian Fiel seine bis dahin gute Leistung krönen können, doch nach Vorarbeit von Jens Scharping wehrte der Ahlener Keeper auch diesen Schuss zur Ecke ab.

Unverändert kamen die Mannschaften aus der Pause, unverändert auch die mangelnde Chancenverwertung. Willi Landgraf schickte nur drei Minuten nach Wiederanpfiff Reiner Plaßhenrich steil, der setzte sich auf dem rechten Flügel durch und passte flach nach innen. Dort legte Jens Scharping zurück auf Erik Meijer, doch dessen Schuss wurde wieder eine Beute von "Hexer" Meier. Langsam war es schon nicht mehr lustig, denn auch Sergio Pinto konnte den Ball in der 58. Minute nicht im Tor unterbringen, die Kugel trudelte einen Meter vor dem Ahlener Kasten quer entlang. Es war seine letzte Aktion, denn für den heute etwas unglücklich spielenden Sergio Pinto kam Florian Bruns.

Weitere fünf Wechsel auf beiden Seiten zerhackten jetzt etwas den Spielfluss und unsere Mannschaft war in der Schlussphase nicht mehr so dominierend wie in der ersten Stunde. Nun zeigten auch der LR Ahlen, warum er sich an diesem Nachmittag getroffen hatte und zeigte die eine oder andere Aktion nach vorne. Gefährlich waren allerdings nur ein Kopfball von Jugovic und dann eine Szene zwei Minuten vor Schluss. Alexander Klitzpera wähnte sich in Sicherheit und spielte per Kopf einen Rückpass zu seinem Keeper. Doch Babacar N'Diaye hatte genau das gerochen, spritzte dazwischen, und Stephan Straub musste Kopf und Kragen riskieren, um der Alemannia den einen Punkt zu sichern.

1:1 endete das Spiel nach einer weitgehend Klasseleistung, an die sich weit gereiste Alemannia-Fans auswärts kaum erinnern konnten. In der Abwehr stand das Team sehr sicher und nur eigene Fehler ermöglichten Chancen der Gastgeber. Das Mittelfeld war sehr spielfreudig und mit vielen Varianten kamen die Schwarz-Gelben nach vorne. Das Vergeben der vielen klaren Torchancen war und ist allerdings ein Manko, dass die Mannschaft schnellstens abstellen muss. Am Besten schon im Pokal in Essen und vor allem beim Heimspiel gegen den KSC Ende des Monats. Noch ist unsere Mannschaft ungeschlagen, gewonnen hat sie aber auch noch nicht.

Zum Spiel

Unter dem Strich hätte es heute nur einen Sieger geben dürfen. Das wäre Alemannia Aachen gewesen. Wir sind hier hervorragend aufgetreten, haben aber nicht die letzte Konsequenz an den Tag gelegt, um dem Gegner, der am Boden lag, auch den Garaus zu machen. Wir mussten aus unseren sieben, acht, wenn nicht sogar neun hochkarätigen Torchancen einfach mehr machen. Das wäre uns fast noch zum Verhängnis geworden, wenn man bedenkt, dass man in der 89. Minute noch das 1:2 kriegen kann. Damit kann ich dann natürlich nicht zufrieden sein. Von der Anlage her ist das alles in Ordnung, aber der letzte Biss hat gefehlt, dieses Spiel auch mit den drei Punkten nach Hause zu bringen. Denn das war unser Anspruch heute, wir wollten hier einen Dreier machen. Die Mannschaft ist in der ersten Halbzeit auch so aufgetreten. Sie ist wie eine Heimmannschaft aufgetreten, hat aber die Vielzahl der Torchancen zu leichtfertig vergeben. Man muss natürlich auch berücksichtigen, dass Bernd Meier nicht nur beim Elfmeter, sondern auch insgesamt beim Spiel, den einen oder anderen Ball entschärft hat. Die zweite Halbzeit war zwar ein bisschen ausgeglichener, aber normalerweise hätte aufgrund der ersten Halbzeit das Spiel schon in Aachen sein müssen.

Ingo Peter

Über die erste Halbzeit spreche ich nicht. Das war so, wie der Dieter es gesagt hat. Wenn man so desolat spielt wie in der ersten Halbzeit, ist es sicherlich nicht einfach zurückzukommen. Ich denke, das haben wir aber geschafft. In der zweiten Halbzeit war das Spiel ausgeglichen. Wir hatten kurz vor Schluss vor der Riesenchance noch eine gute Gelegenheit durch Bamba, der rechts durchging. Wenn er da ein bisschen besser quer passt, dann können wir da auch in Führung gehen. Aber Aachen war immer wieder gefährlich. Das ist eine Spitzenmannschaft. Das hat sie heute hier unter Beweis gestellt. Da brauchen wir nicht drum herumzureden. Wir hatten in der ersten Halbzeit einfach Probleme, im Mittelfeld durchzuschieben, immer wieder Leute aus der Defensive ins Mittelfeld zu bekommen und dann weiter aus dem Mittelfeld zu attackieren. Das hat nicht funktioniert. Dann kam Unruhe rein. In der zweiten Halbzeit haben wir das besser gemacht. Ich bin froh, dass wir 1:1 gespielt haben. Dass der Dieter nach dem Spiel ein bisschen mehr haben wollte, ist auch klar. Aber wir haben den Punkt.

Simon Rolfes

Da war ganz klar deutlich mehr drin. Wir haben in der ersten Halbzeit wieder klar dominiert und mussten mit einer Führung in die Pause gehen. Das haben wir wieder verpasst. In der zweiten Halbzeit waren wir nicht mehr ganz so dominant. Aber wir hätten das Spiel gewinnen müssen, auch wenn die Ahlener auch noch ihre Chancen hatten. Jetzt versuchen wir im Pokal in Essen zu gewinnen und dann holen wir uns die Punkte gegen Karlsruhe.

Jens Scharping

Ich freue mich natürlich, dass es mit dem ersten Tor geklappt hat. Leider hat es nicht für den Sieg gereicht. Wir müssen auf dieser Leistung weiter aufbauen. Im Fußball gleicht sich alles aus. Irgendwann geht die Pille auch mehrmals rein. Ich bin mir ganz sicher, dass wir mit dieser Mannschaft, so wie wir spielen, wenn wir das weiter umsetzen, dass wir dann eine Menge erreichen können.

Erik Meijer

Wir haben wieder alles gegeben, genau wie gegen Frankfurt. Fußball ist manchmal so ungerecht. Wir haben die Chancen und spielen richtig tollen Fußball, schöne Angriffe mit allem Drum und Dran. Du bekommst die Chance zum 1:0, die vergibst du. Dann machen die das 1:0, was für uns ja eigentlich unglaublich war. Zum Glück machen wir im Gegenangriff gleich das 1:1. Auch in der zweiten Hälfte waren wir die klar bessere Mannschaft, aber wir haben es nicht geschafft, noch einmal den Ball hinter den Meier zu kriegen. Heute war der Meier schon in der Ecke, in die ich geschossen habe. Schade, dass der eine Mei(j)er den anderen geschlagen hat.

Alexander Klitzpera

Wir haben einen blöden Konter bekommen, der völlig unnötig war, den wir selbst verschuldet haben.

Cristian Fiel

Heute haben einfach die Tore gefehlt. Ich hatte drei 100%ige, jetzt muss ich einfach mal ein Tor machen.

.