HolzScherf
Testspiele - Saison 1908/1909 - 6. Spieltag - Sonntag 25.10.1908  - 15:30 Uhr
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Spieldaten

Aufstellung

Alemannia Aachen: Riechert – M. Breuer, Emunds – J. Boeven, Roolf, Essers – A. Wesché, Leussler, H. Wollgarten, J. Wesché, Rex

Duisburger SpV: Jekenberg – Bauwens, Schenkel – Schilling, Krusenbaum, Rudzinsky – "Huhn", van der Weppen, Klinkers, Fischer II, Bungert

Tore

1:0 Wollgarten, 1:1 Fischer II, 1:2 van der Weppen, 1:3 van der Weppen, 2:3 Wollgarten, 3:3 Wesché, 4:3 Wollgarten

Zuschauer:

400 (auf dem Sportplatz Tivoli)

25.10.1908: Alemannia Aachen - Duisburger SpV 4:3

Wir sind von unserer I. Mannschaft Ueberraschungen gewöhnt, namentlich zu Anfang der Saison. Nach den bisherigen Spielen, bei denen sie einen einzigen Sieg, und dazu gegen eine eben aus der II. Klasse emporgestiegene Mannschaft, buchen konnte, dachet man an nichts weniger als an ein demütiges Resultat gegen den gefürchteten westdeutschen Meister.

Herr Sytsma aus Rotterdam, Schiedsrichter des niederländischen Spielverbandes, unserer I. von der letzten Tour nach Dordrecht in angenehmer Erinnerung, hatte in liebenswürdiger Weise das Schiedsrichteramt übernommen.

In beiden Mannschaften war der Rechtsaussen Ersatz, nachstehend die Aufstellung: [...]

Duisburg hat Anstoss, verliert aber gleich den Ball an unsere Stürmer. Ein schöner Angriff und Wollgarten schiesst aus 15 m scharf ein. Doch die Freude dauert nicht lange, die Stürmer Duisburgs kommen allmählich auf und ihre schnellen Angriffe schaffen an unserem Tor manchmal kritische Augenblicke. Trotz aufopfernder Arbeit unserer Verteidigung bleibt das Spiel auf unserer Seite, und Fischer II, dem fast alle Bälle zugespielt wurden, gelingt es bald einen scharf getretenen Ball zu plazieren, den Riechert nur eben mit der Hand berührt. Nach dem Anstoss drängt Duisburg wieder, Boeven verhaut einen Effetball, der kurz vor dem Tore aufschlägt, Riechert haut auch daneben und van der Weppen köpft mühelos ein. Unsere Stürmer kommen immer noch nicht hoch, auch nach dem Seitenwechsel nicht, während Duisburg ständig drängt. Van der Weppen wird von unsern Hinterspielern zu spät angegriffen, umgeht Emunds und schiesst ein. Nun ändert sich das Bild, unsere I. zeigt sich allmählich überlegen. Die Läufer halten den feindlichen Angriff in Schach, die Stürmer drängen mächtig, und der Erfolg bleibt nicht aus. Wollgarten köpft einen zurückgegebenen Ball schön ein, und J. Wesché tritt kurz nachher das ausgleichende Tor. Jetzt spielt alles mit Hergabe der ganzen Kraft, die Anstrengungen Duisburgs bringen keinen Erfolg, unsere Verteidigung arbeitet vorzüglich, die Stürmer nicht minder und unter tosendem Beifall der Zuschauer schiesst Wollgarten das siegbringende Tor. Alle Versuche Duisburgs, wenigstens auszugleichen, sind vergeblich, der Schlusspfiff setzt dem bis zum letzten Augenblicke spannenden Kampfe ein Ende.

Duisburg stellte eine gute, eingespielte Mannschaft, deren Stärke im Angriff liegt. Die vorzüglich kombinierenden Stürmer die sämtlich Schussvermögen besitzen halten das Spiel stets nach vorne, die Aussenstürmer geben schöne Flanken und die Innenstürmer sind wegen ihres musterhaften Spiels in ganz Westdeutschland bekannt und gefürchtet. Krusenbaum und Schilling sind besonders zu loben. Im allgemeinen ist die Verteidigung der schwächere Teil der Mannschaft, der jedoch in Westdeutschland so leicht kein Gegner beikommen wird.

Unsere I. kann auf ihren Sieg, mag man ihn auch als vom Glück begünstigt bezeichnen wollen, stolz sein. Sie spielte am Sonntag, wie sie eigentlich immer spielen sollte, bis zum letzten Augenblick energisch. Namentlich verfügt sie über grosse Ausdauer. Unsere Verteidigung ist derjenigen Duisburgs überlegen, was sie durch ihr vorzügliches Spiel ja auch bewiesen hat. Was die einzelnen Spieler angeht, so verweise ich auf die nachstehende Kritik unseres vorzüglichen Schiedsrichters, der das Spiel in musterhafter vorbildlicher Weise leitete. Er war überall, sah alles und war unparteiisch in des Wortes vollster Bedeutung. Ihm ist es auch zu danken, dass das Spiel niemals scharf wurde, trotzdem beide Mannschaften mit Anspannung alles Kräfte kämpften.

Leider war das Wetter nicht günstig, es war feuchtkalt und zudem neblich und zwar so stark, dass in der zweiten Hälfte des Spiels der Platz nicht mehr zu überschauen war. Infolgedessen war auch der Besuch nicht stark, etwa 400 Personen waren anwesend, die mit Spannung dem Spiele folgten. Zu tadeln waren die vielen Zurufe, die man ja auch dem regen Interesse am Spiel zuschreiben kann. Aufs schärfste muss ich verurteilen, dass selbst aus einer Gruppe von Zuschauern, die fast vorwiegend aus Mitgliedern bestand, auf einzelne Spieler gemünzte Zurufe gehört wurden, so dass ein Spieler aus dem Felde durch einen ebensolchen Zuruf antwortete. Ich meine, unsere Mitglieder sollten doch allen Anderen im Verhalten auf dem Spielplatze mit gutem Beispiel vorangehen, statt die immer mehr um sich greifende Unsitte des Zurufens auch noch zu fördern. Dieser Hinweis genügt hoffentlich, um derartige Vorkommnisse für die Folge vorzubeugen.

(Nachrichtenblatt d. F.C. Alemannia, No. 20 / 16. Oktober 1908)

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