UEFA-Pokal Gruppenphase - Saison 2004/2005 - 5. Spieltag - Mittwoch 15.12.2004  - 20:45 Uhr
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AEK Athen (Athlitiki Enosi Konstantinoupoleos Athen)

Kopf der Gruppe H im UEFA-Cup ist AEK Athen. Der Traditionsverein Griechenlands (genannt die "Königin) qualifizierte sich als 4. seines Landes in der abgelaufenen Spielzeit direkt für den UEFA-Cup. Schlagzeilen machte AEK in den letzten Monaten allerdings mehr durch seine großen Finanzprobleme. Auf 80 bis 100 Millionen Euro - manche sprechen gar von 165 Millionen Euro - belaufen sich die Verbindlichkeiten der Griechen, in den kommenden Jahren abgebaut werden müssen.

Aus diesem Grund übernahm in diesem Sommer Demis Nikolaidis das Ruder als Präsident des AEK. Der 31-jährige ehemalige Spieler der Athener stand zwar noch in Diensten von Athletico Madrid (wechselte 2003 von Athen nach Madrid), galt aber immer noch als großer Fan des AEK. Er beendete zugunsten des Präsidentenamtes seine aktive Fußballkarriere und übernahm die Aktienmehrheit
seines ehemaligen Arbeitgebers. Zusammen mit Trainer Fernando Santos aus Portugal gibt er AEK Athen derzeit ein neues Gesicht und arbeitet dafür, dass der Verein auch zukünftig in der 1. Liga Griechenlands spielen kann.

Der Beginn dieser neuen Ära brachte dem Verein verloren gegangenes Vertrauen zurück. Dabei blickt AEK auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurück. 1924 wurde Athlitiki Enosi Konstantinoupoleos Athen, wie der Klub mit vollständig Namen heißt, gegründet, war einst der Verein der "vertriebenen Griechen" aus Konstantinopel, der 1924, zwei Jahre nach der kleinasiatischen Katastrophe (griechisch- türkischer Krieg 1922) , als Spielvereinigung in Athen gegründet worden ist. Ihr Stadion, das Nikos-Goumas-Stadion wurde vor mehr als einem Jahr abgerissen. An gleicher Stelle soll eine moderne Arena entstehen, für die aber bis heute noch kein Grundstein gelegt worden ist. Bis auf weiteres trägt deshalb AEK seine Heimspiele im Olympiastadion (Calatrava-Dome) aus.

AEK Athen, die Gelbschwarzen aus dem östlichen Stadtteil Nea Philadelphia, gewappnet mit dem doppelköpfigen Adler aus Byzanz stand immer hinter den Rivalen Panathinaikos Athen und Olympiakos Piräus im Schatten. Erst Anfang der 50er Jahre, nach dem Ende des Bürgerkriegs in Griechenland, konnte sich AEK ein wenig in die Sonne schieben, sich als ständiger Aspirant auf die Meisterschaft behaupten. Elf Meisterschaften und ebenso viele Pokalsiege sprechen eine deutliche Sprache. Gleichzeitig wuchs auch der Zuspruch unter den Helenen.

Zu Beginn dieser Saison stieg der Dauerkartenverkauf auf 14.000. Noch in der abgelaufenen Saison brachte es AEK auf gerade mal 3.500 Dauerkarten. Großen Anteil hat natürlich Publikumsliebling und derzeitiger Präsident Dimi Nikolaidis. Der Kader wurde verjüngt, das Durchschnittshalter beträgt lediglich 24 Jahre. Stars des Teams auch in dieser Saison: Nikos Liberopoulos und Konstantinos Katsouranis. Liberopoulis gilt als Kopf des Teams, Katsouranis als Hoffnungsträger für die Zukunft. Als einer der talentiertesten Mittelfeldspieler Griechenlands bestritt er alle sechs EM-Endrundenspiele des Rehagel-Teams. In der Champions-League konnte er sich über ein Tor gegen Real Madrid freuen. Im Estadio Santiago Bernabéu erzielte er in der Champions- League 2002/2003 den Anschlusstreffer zum 1:2 in der 74. Minute. Zuvor hatte McManaman zweimal für die "Königlichen" getroffen (24., 43.). Centeno erzielte in der 86. Minute noch den viel umjubelten Ausgleich. Aber am Ende reichte es wie so oft nicht, die erste Gruppenphase der Champions-League zu überstehen, zu übermächtig war stets die Konkurrenz.

Aber der Erfolg der Nationalmannschaft unter ihrem deutschen Trainer Otto Rehagel sorgte bei allen Vereinen in Griechenland für Aufwind. Fußball erfreut sich in Griechenland einer Beliebtheit wie selten zuvor.

Spieldaten

Aufstellung

AEK Athen: Chiotis Kontis Moras Alves Georgeas Katsouranis Toskas Assuncao (46. Soares) Bourmpos (68. Rusev) Kampantais (46. Liberopoulos) Krassas

Alemannia Aachen: Blank, Fiel, Klitzpera, Landgraf, Meijer, Michalke, Plaßhenrich, Rolfes, Scharping, Sichone, Straub / Trainer: Dieter Hecking

Tore

0:1 Erik Meijer (57.), 0:2 Daniel Gomez (84.)

Verwarnungen

  Cristian Fiel (18.),   Toskas (28.),   Stefan Blank (29.),   Moses Sichone (47.)

Ecken

2 / 1

Abseits

0 / 1

Schiedsrichter:

Sergey Shebak

Zuschauer:

4.711 (davon ca. 600 aus Aachen)

Alemannias Euro-Wunder geht weiter!

Die Ausgangsposition vor dem letzten Gruppenspiel war eindeutig. Beim punktlosen und bereits ausgeschiedenen Schlusslicht, dem eigentlichen Gruppenkopf Athlitiki Enosi Konstantinoupoleos Athen, mussten die Schwarz-Gelben gewinnen, um sich als mindestens Dritter der Gruppe H für die Runde der letzten 32 zu qualifizieren. Jetzt zu behaupten, dass Athen in diesen Tagen fest in Aachener Hand gewesen sei, wäre angesichts einer 5 Millionen Einwohner Metropole völlig übertrieben, aber Tatsache war auch, dass die Fans überall, wo sie touristische Attraktionen besuchten, auf zahlreiche Gleichgesinnte trafen. Genau das war schon in Reykjavik und Sevilla der Fall und genauso war es auch auf der Akropolis, am Panathenaikon Stadion und auch anderen interessanten Orten der Olympiastadt.

Gut sechs- bis siebenhundert Fans hatten sich aufgemacht, ihre Mannschaft in der griechischen Hauptstadt zu unterstützen und wieder einen Tag Europapokalgeschichte zu genießen. Insgesamt verloren sich allerdings nur knapp fünftausend Zuschauer im imposanten Athener Olympiastadion, das zwar wirklich sehr schön ist, aber mit Sicherheit auch kein Stadion zum Fußballspielen ist.

Unsere Startformation bot keine Überraschungen. Für den an der Achillessehne verletzten Dennis Brinkmann spielten Willi Landgraf wieder von Beginn an und für den gesperrten Sergio Pinto rückte Jens Scharping auf den rechten Angriffsflügel. AEK-Trainer Fernando Santos verzichtete auf den Einsatz der Stammspieler Kostenoglou, Amponsah, Konstantinidis und Liberopoulos. Zudem fiel Verteidiger Tziortziopoulo wegen des letzte Woche erlittenen Schienbeinbruchs aus.

Viel Spannung - zumindest auf Aachener Seite - lag in der Luft, die sich aber im Spielgeschehen zunächst nicht wieder spiegelte. Die im UEFA-Cup-Weiß angetretenen Öcher kontrollierten weitgehend das Spiel und verschleppten dabei zunächst das Tempo, um den Gegner nicht in Spiellaune kommen zu lassen. So plätscherte die Partie zunächst eher langweilig daher und erst in der 13. Minute schoss der erste Akteur einmal aufs Tor. Jens Scharping drosch den Ball aber hoch in den Abendhimmel. Im Gegenzug musste dann Keeper Stephan Straub das erste Mal beherzt eingreifen, um einen gefährlichen Flachschuss von Leonidas Kampantais zur Seite abzuwehren. Nach zwei Gelben Karten für Christian Fiel (18.) und Stefan Blank (29.), die dem Gegner zeigten, dass Alemannia gewillt war, alles für einen Sieg zu tun, gab es in der 1. Hälfte nur einmal noch richtig Aufregung in den Strafräumen.

In der 28. Spielminute konnte AEK-Keeper Chiotis eine Flanke von Stefan Blank nicht festhalten und Kai Michalke hatte zweimal die Chance zur Führung. Zunächst konnte Torwart Chiotis abwehren, den Nachschuss kratzte Georgeas von der Linie. Der mehrfache griechische Meister und Pokalsieger blieb insgesamt blass und wurde nur gefährlich, wenn die Schwarz-Gelben der Nummer 11 auf dem linken Flügel Leonidas Kampantais und dem Brasilianer Paulo Assunção längere Spielzeiten am Ball gestatteten.

Die zweite Hälfte - AEK brachte jetzt Liberopoulos und Soares in die Partie - begann dann mit einem Schreck für die vielen Fans der Alemannia. Der letztjährige Torschützenkönig Nikos Liberopoulos (39 Länderspiele) kam frei vom 16er zum Schuss, doch Stephan Straub reagierte glänzend und riss eine Faust nach oben zur Abwehr. Das Spiel lief genau, wie Alemannia es "geplant" hatte. Denn der Gast verstärkte jetzt die Bemühungen nach vorne und acht Minuten weiter fiel dann auch die Führung. Jens Scharping hatte Reiner Plaßhenrich schön freigespielt, der zwar Keeper Dionisios Chiotis tunneln konnte, aber nur den rechten Innenpfosten traf. Kapitän Erik Meijer stand in dieser Szene aber goldrichtig und er konnte den Abpraller über die Linie drücken. Riesenjubel auf der Aachener Bank, im Gästeblock und auch auf großen Bereichen der Haupttribüne. Jetzt galt es, das Ergebnis zu verteidigen.

In der 64. Minute bot sich AEK allerdings die Chance zum Ausgleich. Christos Bourmpos hatte sich auf rechts durchgesetzt, legte schön zurück auf Liberopoulos, doch dessen Schuss flog knapp über die Querlatte. Chef-Trainer Dieter Hecking wechselte jetzt. Um die Gefahr einer zweiten Gelben Karte auszuschließen, kam Thomas Stehle für Cristian Fiel in die Mannschaft und eine Viertelstunde vor Schluss Daniel Gomez für Jens Scharping. Bereits mit seinem ersten Antritt überraschte der schnelle Franzose seinen Gegenspieler und neun Minuten nach seiner Einwechslung rechtfertigte der kleine Flügelflitzer des Trainers Vertrauen. Aachen setzte auf Konter und einer führte in der 84. Minute zur endgültigen Entscheidung. Aus dem Mittelfeld spielte Simon Rolfes in Überzahl den auf links mitgelaufenen Stefan Blank an, der nach einem kurzen Dribbling den auf dem anderen Flügel hereinlaufenden Daniel Gomez sah und den Ball so geschickt quer in den Strafraum legte, dass der eingewechselte Stürmer nur wenig Mühe hatte, das 0:2 zu erzielen. Ein erlösender Aufschrei schallte durch das Stadion, das schon im Sommer viele Dramen und Triumphe gesehen hatte. Und nun sah das Spyros Louis im Athener Stadtteil Maroussi euphorisierte Alemannen bei ihrem Durchmarsch ins Sechszehntelfinale des UEFA-Cups. Alemannia hat erneut Fußball-Geschichte geschrieben: Als erster deutscher Zweitligist stieß man in die dritte Runde in diesem Wettbewerb vor. Die Aachener haben den deutschen Fußball und besonders auch die 2. Liga erneut würdig vertreten.

Lange noch nach dem Abpfiff harrten die Fans der Schwarz-Gelben in ihrer Kurve aus. Mit der Mannschaft hatten sie schon gefeiert, jetzt warteten sie auf Dieter Hecking. "Ohne Trainer geh'n wir nicht nach Haus", sangen die Fans und warteten geduldig, bis der Trainer das Live-Interview mit der ARD beendet hatte. Einsam, aber glücklich lief der Coach dann in die Fankurve und applaudierte den vielen Fans, die über zweitausend Kilometer fern der Heimat ihre Mannschaft unterstützt hatten.

Eine besondere Überraschung gab es nach Spielende dann zusätzlich für unser Team. Die WDR-Zuschauer hatten die Schwarz-Gelben zur Mannschaft des Jahres 2004 in NRW gewählt und noch in der Kabine wurde der Preis überreicht, ein gläserner Pokal, den Co-Trainer Dirk Bremser bis zum Bankett nicht mehr hergab. Es war inzwischen weit nach Mitternacht - eine Glückwunsch-SMS der DFL war längst eingetroffen - als im Hotel Apollon Palace das offizielle Bankett mit Mannschaft, Trainern, Mitarbeitern und einigen Sponsoren begann. Präsident Prof. Horst Heinrichs gratulierte bei der Begrüßung nicht nur zum Erfolg am Abend, sondern dankte für ein tolles Jahr 2004 insgesamt, das jetzt nur noch durch ein ganz bestimmtes Ereignis in 2005 getoppt werden kann.

Alemannia hat sich tatsächlich inzwischen in Europa einen Namen gemacht. Von sechs Spielen wurde nur eines verloren, der zweite Gruppenplatz wurde nur um Haaresbreite verfehlt und Gruppensieger OSC Lille gewann alle Spiele, bis auf das gegen unsere Mannschaft. Das RheinEnergieStadion wird nun am 16. oder 17. Februar eine weitere Europapokal-Party sehen, gegen wen, wird die jetzt mit Spannung erwartete Auslosung am Freitag Mittag (Live in Eurosport ab 13 Uhr) ergeben. Die möglichen Gegner sind: Middlesbrough FC, AZ Alkmaar, Feyenoord Rotterdam, Newcastle United, FC Dnipro Dnjepropetrowsk und Athletic Bilbao.

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