HolzScherf
Ligaklasse - Saison 1909/1910 - 3. Spieltag - Sonntag 03.10.1909  - 16:20 Uhr
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Spieldaten

Aufstellung

Duisburger SpV:

Alemannia Aachen: A. Wesché – M. Breuer, Riechert – J. Boeven, Roolf, Essers – Baur, J. Wesché, T. Boeven, Rex (zu zehnt angetreten)

Tore

1:0, 2:0, 3:0, 4:0 Klinkers, 5:0

Zuschauer:

(auf dem Sportplatz Grunewald)

3.10.1909: Duisburger SpV - Alemannia Aachen 5:0

Wir haben stets zu Beginn der Fussballsaison bei der Aufstellung unserer Mannschaften, namentlich auch unserer I., mit allen möglichen Schwierigkeiten kämpfen müssen, sei es, dass wir über das sportliche Können Einzelner Zweifel hatten, sei es, dass wegen der Hochschulferien oder sonstige Umstände Leute fehlten. Nachdem wir uns in diesem Jahre unter schwierigen Verhältnissen unseren Platz an der Sonne, bezw. in der Liga erkämpft und uns in den beiden ersten Ligaspielen in Aachen die ersten vier Punkte erwarben, trotzdem wir beide Mal mit 2 Ersatzleuten spielten, traf uns bei dem Spiel gegen unseren spieltüchtigsten Gegner ein doppeltes Verhängnis. Zunächst war, da Wollgarten und Wolff wegen einer Beinverletzung fehlten, unser Angriff geschwächt und dann liess uns Wagemann, der zum ersten Mal für uns spielen sollte, im Stiche, so dass wir mit 10 Mann antreten mussten.

Guten Muts begaben wir uns am Morgen des Unglückstages auf die Fahrt, unser Ehrenmitglieder Kurt Pfeiffer und ich als Reisebegleiter. Glücklich landeten wir in Duisburg an, wo wir Breuer, der von Stuttgart kam und nachher unsere Mitglieder Lang, Schlenter, Holtsträter und Musolf begrüssten. Vergeblich suchten wir aber nach Wagemann, bis war nach Ablauf der 20 Minuten Wartezeit in folgender Aufstellung beginnen mussten: [...]

A. Wesche, der rechtsaussen spielen sollte, trat ins Tor zurück für Riechert, der den Platz Wagemanns einnahm.

Wir haben Anstoss, aber gleich sitzt Duisburgs schnelle Stürmerreihe in unserer Hälfte, in der sich das Spiel meistens hält. Unsere Läufer und Verteidiger arbeiten mit Hergabe ihrer ganzen Kraft, so dass nur wenig aufs Tor kommt; manches rettete auch A. Wesche durch zeitiges Herauslaufen. Immer von neuem dringen die Stürmer Duisburgs in schnellem Zusammenspiel vor, unsere Leute gewöhnen sich aber allmählich an die Spielweise des Gegners und vereiteln jeden Erfolg. Da jedoch unsere Läufer viel zu sehr durch die Verteidigung in Anspruch genommen werden, kommt der Angriff trotz der Bemühungen Joes nicht vom Fleck. Toni und Rex können auch nicht viel ausrichten und Theo kommt gar nicht zur Geltung. Einige MAl gelingt es ihnen doch bis in die Nähe des feindlichen Tors zu kommen, aber Duisburgs Verteidigung arbeitet sicher und hat auch gegen unseren unvollständigen Angriff einen leichten Stand. Die Stürmer Duisburgs sind vielfach schussunsicher, da unsere Verteidigung auch nicht locker lässt, geht's mit 0:0 in die Pause.

In der zweiten Hälfte bietet das Spiel das gleiche Bild, nur sind jetzt die Angriffe Duisburgs noch schneller und ist das Zusammenspiel ihrer Stürmer noch genauer. Auch jetzt noch hält unsere Verteidigung stand, Breuer und Riechert spielen hervorragend, A. Wesche hält manchen Schuss und faustet oder tritt den Ball weit ins Spielfeld. Schon regt sich in mir so ein Fünkchen Hoffnung auf ein unentschiedenes Resultat, aber der Schiedsrichter macht dem schnell ein Ende. Nach Duisburgs Mittelstürmer macht auch Boeven I im Strafraum Hand, und der Schiedsrichter giebt merkwürdigerweise Elfmeterstoss für Duisburg. Anscheinend hat er bei dem schnellen Spiel dem Ball nicht folgen können und nur gesehen, dass Boeven Hand gemacht hat. Der zu Unrecht gegebene, aber scharf und sicher getretene Elfmeterball bringt Duisburg den ersten Erfolg. Uns raubt er jegliche Aussicht auf ein unentschiedenes Spiel. Immer enger schnüren nun die Stürmer Duisburgs unser Tor ein, namentlich ihr Flankenspiel ist musterhaft und bald kann ihr Linksinnen nach schönem Zusammenspiel durch einen schwachen, aber plazierten Schuss das 2. Tor erzielen, dem schnell das 3. folgt, als Wesche einen Schuss des Mittelstürmers verfehlt. Er tritt über den leicht zu haltenden Ball hinweg. Inzwischen erwirken unsere Stürmer durch einen schönen Angriff einen Eckstoss, der aber ergebnislos bleibt. Bald darauf geht ein schöner Schuss von Toni gegen die Stange. So scheint uns das Unglück nicht zu verlassen, während Duisburg durch den vorzüglichen Mittelläufer Klinkers, der aus 20 m einen unhaltbaren Schuss aufs Tor giebt, einen 4. Erfolg erringt, dem der Linksaussen das 5. Tor hinzufügt. Letzteres fällt genau wie das 2. Tor nach schönem Zusammenspiel durch einen nicht gerade scharfen aber plazierten Schuss aus etwa 10 m. Nachdem es an unserem Tor noch einige brenzliche Augenblicke gegeben hat, macht der Schlusspfiff des Schiedsrichters der Qual ein Ende.

Es war wirklich eine Qual, dem Spiel zusehen zu müssen. Schon zu Beginn war es einem jeden von uns klar, dass wir mit dieser unvollständigen Mannschaft gegen den starken Gegner nicht aufkommen konnten, und ein jeder weiss, wie sehr gerade die Stimmung bei einem Fussballspiel von Bedeutung ist. Dass sie bei dem vergeblichen Warten auf Wagemann unter Null sank, ist leicht erklärlich. Ob all dieses Missgeschicks konnte bei mir auch keine rechte Freude an dem vorzüglichen Spiel des Duisburger Spielvereins aufkommen. Wenn man sich aber auch damit decken wollte, dass er gegen eine unvollständige und durch Ersatz geschwächte Mannschaft gewann, so muss man doch anerkennen, dass seine Stürmerreihe einfach brillant und in jeder Beziehung vorbildlich spielt. Hier sieht man Schnelligkeit, Unermüdlichkeit und Zusammenspiel in schöner Vollendung, dazu eine nicht wenige gute Läuferreihe. Die Verteidigung hatte zwar wenig Gelegenheit ihr Können zu zeigen, sie soll aber, wie man mir sagte "auch ganz gut sein!" Im übrigen spielte Duisburg durchaus fair.

Wir müssen es deshalb unserer Mannschaft hoch anrechnen, wenn sie fast eine halbe Stunde diesen Gegner in Schach hielt. Albert Wesche leistete als Torwächter vorzügliche Arbeit, namentlich brachte er den Ball immer weit weg und klebte nicht zwischen den Pfosten. Dass er einmal den Ball verfehlte, war unverdientes Pech. Der Elfmeterstoss und der Schuss von Klinkers waren unhaltbar, das 2. und 5. Tor hätte ein eingespielter Torwächter vielleicht durch Hinwerfen retten können, aber wenn man seine Leistung im ganzen betrachtet so verdient sie hohes Lob. Breuer und Riechert hatten harte Arbeit, waren aber bis zum Schluss unermüdlich und vor allem sicher. Dasselbe gilt von den Läufern, die bei dem schnellen gegnerischen Angriff einen schweren Stand hatten. Verteidiger und Läufer kamen keinen Augenblick ausser Atem, hielten die erste Hälfte auch gut durch, konnten aber nachher die Erfolge des Gegners nicht hindern. Unser Angriff kam trotz aller Anstrengung nur selten bis an die feindlichen Verteidiger, und dann sah man eigentlich nur 2 wirklich draufgehen, J. Wesche und zeitweise Toni. Rex gab fast jeden Ball ohne Not ins Feld, ich will nicht hoffen, dass er Angst hatte, aber auf jeden Fall hatte er einen schlechten Tag. Theo, einer der besten Leute in der II. Mannschaft, kam merkwürdigerweise gar nicht auf, man hätte mehr von ihm erwartet. Allerdings war die Stürmerreihe unvollständig und fand bei den Läufern, die in der Verteidigung volle Arbeit hatten nur wenig Unterstützung. Alles in allem hat unsere Mannschaft ihre Pflicht getan, die hohe Torzahl war unverdient. Dass an Duisburgs Tor nur 2 Eckstösse und etwa 10 Abstösse fielen ist bezeichnend für den Spielverlauf, dem ein Resultat von 3:0 besser entsprochen hätte. Der Schiedsrichter, ein Herr aus Ruhrort, gab sich redliche Mühe, war aber seiner Aufgabe nicht ganz gewachsen.

(Nachrichtenblatt d. F.C. Alemannia, No. 20 / 16. Oktober 1909)

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